Frau Brüllen sammelt das ja dankenswerterweise immer am 5. jedes Monats, hinter dem Link also jede Menge weiterer Geschichten über 5. Junis 2016.
Bei uns heute so: Gästealarm. Seit Pfingsten weiß ich ja: Ich kann Gastgeber. Während ich das vorher immer nur gern können wollte, hat mich der Besuch von zwei Familien mit zwei Übernachtungen und einigen "Danke, es war schön" überzeugt, dass es wohl doch ganz nett bei uns war.
Von daher heute keine Panik, sondern echte Vorfreude auf zwei Familien (nicht die von Pfingsten), die zum Grillen kommen wollten. Nur ganz kurz leichtes Bedauern, dass der Tag wirklich sehr, sehr voll wird. Weil natürlich die sonstigen profanen Wochenendbeschäftigungen trotzdem anstehen.
Also z.B.
- um zehn den ersten Kurzbesuch zu bekommen, der eine vergessene Jacke abholen will
- Frühstück bis um elf (kennt Ihr eigentlich das Gedicht: Morgens früh um sechs kommt die kleine Hex? Klingt grad ganz ähnlich ..)
- ein bisschen Erwerbstätigkeit bis um zwölf
- die üblichen Ladungen Wäsche bis um eins
- Essenmachen. Hielt sich aber in Grenzen, Salate und Kräuterbutter, den Nachtisch hatte ich in weiser Voraussicht schon gestern angesetzt. Und für Fleisch einlegen etc. bin ich in dieser Familie nicht zuständig - wie angehm!
- Dann tatsächlich Zeit für eine kurze Nachmittagspause, bis die ersten Gäste kamen. Große Freude, denn zum Teil hatten wir uns sehr lange nicht gesehen.
Wegen plötzlich aufziehender Gewitter mussten wir ins Haus fliehen noch bevor das Fleisch gar war und auch hier kam uns unsere Pfingst-Erfahrung (nein, nichts mit In-Zungen-Reden, nur viele Leute zu Besuch haben) zugute. Tischerweiterungen, Stühle, wir wussten genau, was wir brauchten und in welchem Kellerraum wir es finden würden.
Nachtisch gab es dann schon wieder im Garten. Wie immer, wenn Menschen mit kleineren Kindern uns besuchen, innerliche Freude bei mir, wie groß und selbständig meine eigenen Kinder schon sind.
Und jetzt sitz ich hier, höre der prallgefüllten Spülmaschine beim Arbeiten zu und genieße die leichte Müdigkeit eines vollen, schönen Tages.
Sonntag, 5. Juni 2016
Wie viele Eltern regieren uns?
Vor einiger Zeit fragte ich bereits, wie viele Kinder eigentlich unsere Bundesregierung hat. Nur mal so aus Interesse.
Der diesjährige Muttertag war Anlass für das Hamburger Abendblatt, ebenfalls mal die Mütter in der Regierung zu zählen. Genau, die Mütter. Am Vatertag gab es keinen entsprechenden Artikel über die Väter. Auch sonst wenig, nur am Muttertag musste mal wieder ausführlich aufgezählt werden, wie das Muttersein in Zahlen sich so darstellt. An Stelle der Väter würde ich mich so langsam doch mal über diese Ungleichbehandlung beschweren, was soll denn das? Ihr seid doch keine Statisten im Leben Eurer Kinder!
Kurz und gut zusammengefasst, was im Abendblatt-Artikel steht: Es gibt in der derzeitigen Regierung mehr Mütter als früher, kinderlos sind bei den Frauen in der Regierung nur noch Frau Merkel die Umweltministerin Barbara Hendricks.
Hier noch mal als Service die komplette Auflistung - inklusive der Männer/Väter. Und ja, genau, als Frau Nahles schwanger war und ein Kind bekommen hatte, überschlug sich die Presse (auch wir berichteten). Als Frau Schwesig neulich ihr zweites Kind bekam, durfte sie viel dazu sagen, wie sie Kind und sehr, sehr anspruchsvollen Beruf vereinbart. Ist Herr Schäuble schon mal gefragt worden, wie er das mit vier Kindern und dieser politischen Karriere schafft? Eine erste Google-Suche brachte keine Ergebnisse. Es bleibt noch viel zu tun!
Angela Merkel (Bundeskanzlerin): kinderlos
Andrea Nahles (Arbeit und Soziales): ein Kind
Ursula von der Leyen (Verteidigung): sieben Kinder
Manuela Schwesig (Familie, Senioren, Frauen, Jugend): zwei Kinder (das zweite kam ja ganz neulich)
Barbara Hendricks (Umwelt, Naturschutz, Bau, Reaktorsicherheit): kein Kind
Johanna Wanka (Bildung und Forschung): zwei Kinder
Die Männer
Sigmar Gabriel (Wirtschaft und Energie, Stellvertreter der Bundeskanzlerin): zwei Kinder
Frank-Walter Steinmeier (Außwärtiges): ein Kind
Thomas de Maizière (Inneres): drei Kinder (hatten wir ja schon)
Heiko Maas (Justiz und Verbraucherschutz): zwei Kinder
Wolfgang Schäuble (Finanzen): vier Kinder (wissen wir auch schon seit 2010)
Christian Schmidt (Ernährung und Landwirtschaft): zwei Kinder
Herrmann Gröhe (Gesundheit): vier Kinder
Alexander Dobrindt (Verkehr und digitale Infrastruktur): ein Kind
Gerd Müller (wirtschaftliche Zusammenarbeit, Entwicklung): zwei Kinder
Peter Altmaier (Kanzleramt): kein Kind
Der diesjährige Muttertag war Anlass für das Hamburger Abendblatt, ebenfalls mal die Mütter in der Regierung zu zählen. Genau, die Mütter. Am Vatertag gab es keinen entsprechenden Artikel über die Väter. Auch sonst wenig, nur am Muttertag musste mal wieder ausführlich aufgezählt werden, wie das Muttersein in Zahlen sich so darstellt. An Stelle der Väter würde ich mich so langsam doch mal über diese Ungleichbehandlung beschweren, was soll denn das? Ihr seid doch keine Statisten im Leben Eurer Kinder!
Kurz und gut zusammengefasst, was im Abendblatt-Artikel steht: Es gibt in der derzeitigen Regierung mehr Mütter als früher, kinderlos sind bei den Frauen in der Regierung nur noch Frau Merkel die Umweltministerin Barbara Hendricks.
Hier noch mal als Service die komplette Auflistung - inklusive der Männer/Väter. Und ja, genau, als Frau Nahles schwanger war und ein Kind bekommen hatte, überschlug sich die Presse (auch wir berichteten). Als Frau Schwesig neulich ihr zweites Kind bekam, durfte sie viel dazu sagen, wie sie Kind und sehr, sehr anspruchsvollen Beruf vereinbart. Ist Herr Schäuble schon mal gefragt worden, wie er das mit vier Kindern und dieser politischen Karriere schafft? Eine erste Google-Suche brachte keine Ergebnisse. Es bleibt noch viel zu tun!
Angela Merkel (Bundeskanzlerin): kinderlos
Andrea Nahles (Arbeit und Soziales): ein Kind
Ursula von der Leyen (Verteidigung): sieben Kinder
Manuela Schwesig (Familie, Senioren, Frauen, Jugend): zwei Kinder (das zweite kam ja ganz neulich)
Barbara Hendricks (Umwelt, Naturschutz, Bau, Reaktorsicherheit): kein Kind
Johanna Wanka (Bildung und Forschung): zwei Kinder
Die Männer
Sigmar Gabriel (Wirtschaft und Energie, Stellvertreter der Bundeskanzlerin): zwei Kinder
Frank-Walter Steinmeier (Außwärtiges): ein Kind
Thomas de Maizière (Inneres): drei Kinder (hatten wir ja schon)
Heiko Maas (Justiz und Verbraucherschutz): zwei Kinder
Wolfgang Schäuble (Finanzen): vier Kinder (wissen wir auch schon seit 2010)
Christian Schmidt (Ernährung und Landwirtschaft): zwei Kinder
Herrmann Gröhe (Gesundheit): vier Kinder
Alexander Dobrindt (Verkehr und digitale Infrastruktur): ein Kind
Gerd Müller (wirtschaftliche Zusammenarbeit, Entwicklung): zwei Kinder
Peter Altmaier (Kanzleramt): kein Kind
Freitag, 3. Juni 2016
Die richtig guten Antworten ...
... fallen einem natürlich immer erst ein, wenn man lange nach dem Gespräch schon wieder zu Hause ist. Außer man heißt Novemberregen natürlich, die weiß wahrscheinlich nicht mal genau, wovon ich rede, weil ihr Hirn da irgendwie anders arbeitet.
Heute beim Friseur. Alles gut. Friseurin will mir nicht mit Macht ein Gespräch aufdrängen, genau, wie ich das mag. Haare gut geschnitten. Dann Föhnen.
"Wie soll ich sie denn föhnen?" fragt sie tatsächlich. Und mir fällt natürlich nicht ein: "Trocken wär ganz gut".
Sie hat gut geföhnt. Ich musste hinterher fast gar nichts runterstreichen, um den gefühlten Farah-Fawcett-Look zu beheben. Vermutlich möchten andere Menschen, dass man sieht, wenn sie beim Friseur waren. Ich lieber nicht.
Außerdem ist immer ganz viel von "Volumen" die Rede, bei jedem Friseur, bei dem ich bisher war. Meine Haare sind ganz glatt. Da bleibt freiwillig kein Volumen drin. Selbst Haargummis versuchen meinen Haaren zu entkommen, geht ganz leicht, quasi in einem Rutsch.
Außerdem bin ich seit meiner Jugend leicht traumatisiert, was Versuche angeht, Volumen in diese Haare zu bringen. Mit Mühe und Not konnte ich bei jedem Friseurbesuch eine Dauerwelle abwenden. Aber bei der Frisur zur Konfirmation passierte es dann: Haarspray, noch mehr Haarspray, Toupierkamm, und dann noch mal Haarspray, so zur Sicherheit. Es kostete meine Mutter und mich mindestens eine Viertelstunde intensives Ausbürsten und immer noch muss ich lachen, wenn ich die Fotos von damals sehe. Aber gut, das muss ja wohl so sein, bei Konfirmationsfotos.
Heute beim Friseur. Alles gut. Friseurin will mir nicht mit Macht ein Gespräch aufdrängen, genau, wie ich das mag. Haare gut geschnitten. Dann Föhnen.
"Wie soll ich sie denn föhnen?" fragt sie tatsächlich. Und mir fällt natürlich nicht ein: "Trocken wär ganz gut".
Sie hat gut geföhnt. Ich musste hinterher fast gar nichts runterstreichen, um den gefühlten Farah-Fawcett-Look zu beheben. Vermutlich möchten andere Menschen, dass man sieht, wenn sie beim Friseur waren. Ich lieber nicht.
Außerdem ist immer ganz viel von "Volumen" die Rede, bei jedem Friseur, bei dem ich bisher war. Meine Haare sind ganz glatt. Da bleibt freiwillig kein Volumen drin. Selbst Haargummis versuchen meinen Haaren zu entkommen, geht ganz leicht, quasi in einem Rutsch.
Außerdem bin ich seit meiner Jugend leicht traumatisiert, was Versuche angeht, Volumen in diese Haare zu bringen. Mit Mühe und Not konnte ich bei jedem Friseurbesuch eine Dauerwelle abwenden. Aber bei der Frisur zur Konfirmation passierte es dann: Haarspray, noch mehr Haarspray, Toupierkamm, und dann noch mal Haarspray, so zur Sicherheit. Es kostete meine Mutter und mich mindestens eine Viertelstunde intensives Ausbürsten und immer noch muss ich lachen, wenn ich die Fotos von damals sehe. Aber gut, das muss ja wohl so sein, bei Konfirmationsfotos.
Dienstag, 31. Mai 2016
Das ist wohl noch anderen aufgefallen
Bei spaeter, truebe findet man:
" Immer dieses Bedürfnis unblonde deutsche in ethnische Schubladen zu denken, kein Wunder, dass so viele Idioten ihr realitätsfremdes Deutschenbild ständig bestätigt glauben."
Danke. Und so viele der Bindestrich-Deutschen müssen sich leider darin bestätigt sehen, dass sie für viele nie als "echte" Deutsche gelten, egal, welche Generation, welcher Glaube, welcher Beruf. Das ist nicht hilfreich!
" Immer dieses Bedürfnis unblonde deutsche in ethnische Schubladen zu denken, kein Wunder, dass so viele Idioten ihr realitätsfremdes Deutschenbild ständig bestätigt glauben."
Danke. Und so viele der Bindestrich-Deutschen müssen sich leider darin bestätigt sehen, dass sie für viele nie als "echte" Deutsche gelten, egal, welche Generation, welcher Glaube, welcher Beruf. Das ist nicht hilfreich!
Sonntag, 29. Mai 2016
Wer darf hier leben - und mit welcher Hautfarbe darf man eigentlich Deutscher sein?
In letzter Zeit häuft es sich. Erst die Aussagen von Pegida BW zu Ferrero (bzw. den nicht-deutsch aussehenden Nationalspielern), dann Gauland, alles nicht so ganz sicher, wer was wirklich gesagt hat.
Was aber offensichtlich wirklich von einem AfD-Vertreter, schriftlich, gesagt wurde:
"Auch der rheinland-pfälzische AfD-Chef Uwe Junge distanzierte sich von Gaulands Äußerung. "Der in Berlin geborene deutsche Staatsbürger Boateng ist einer unserer WM-Helden", erklärte Junge in einer schriftlichen Mitteilung. "Idole wie er sind wichtige Wegbereiter für die Akzeptanz von integrierten Einwanderern.""
Ich möchte das nicht. Ich möchte, dass endlich in den Köpfen ankommt, wie viele Schattierungen die Hautfarbe in Deutschland inzwischen hat. Es tut mir weh, meine Kinder in diesem Klima aufwachsen zu lassen und darauf zu warten, wann es losgeht, wann ihnen zum ersten Mal klar wird, dass sie für manche Menschen schlicht "nicht deutsch" sind und es auch niemals sein können.
Was aber offensichtlich wirklich von einem AfD-Vertreter, schriftlich, gesagt wurde:
"Auch der rheinland-pfälzische AfD-Chef Uwe Junge distanzierte sich von Gaulands Äußerung. "Der in Berlin geborene deutsche Staatsbürger Boateng ist einer unserer WM-Helden", erklärte Junge in einer schriftlichen Mitteilung. "Idole wie er sind wichtige Wegbereiter für die Akzeptanz von integrierten Einwanderern.""
Genau. Danke. Das bestätigt all meine Befürchtungen. Jerôme Boateng als integrierten Einwanderer zu bezeichnen. Denn so richtig deutsch - also so richtig, richtig deutsch, kann er offensichtlich (für Herrn Junge und traurigerweise vermutlich für viele andere) nicht sein. Mit dieser Hautfarbe. Geboren in Berlin, aufgewachsen bei einer deutschen Mutter, deutscher Staatsbürger, Christ ... aber trotzdem "integrierter Einwanderer".
Ich möchte das nicht. Ich möchte, dass endlich in den Köpfen ankommt, wie viele Schattierungen die Hautfarbe in Deutschland inzwischen hat. Es tut mir weh, meine Kinder in diesem Klima aufwachsen zu lassen und darauf zu warten, wann es losgeht, wann ihnen zum ersten Mal klar wird, dass sie für manche Menschen schlicht "nicht deutsch" sind und es auch niemals sein können.
Was man dagegen tun kann? Widersprechen. Aber sprechen. Nützt ja nichts, es immer nur den eigenen Gesinnungsgenossen ins Ohr zu blasen. Vielleicht das hier: Hand in Hand gegen Rassismus, So, 19. Juni, Jungfernstieg, Hamburg.
Donnerstag, 26. Mai 2016
Wo kommen wir her
Das scheint mich wirklich zu beschäftigen. Wie prägt uns das, wo wir herkommen. Was von dem, das wir von unseren Eltern an Eigenschaften und Einstellungen mitbekommen haben, wollen wir bewusst an unsere Kinder weitergeben - und was nicht. In den letzten Tagen lese ich aus anderen Blogartikeln quasi nur noch diese Themen heraus.
Zum Beispiel vom Haltungsturnen (hat er selber übernommen von Matthew MacWilliams):
"Ist Ihnen bei Ihrem Kind wichtiger, dass es Respekt hat oder dass es unabhängig ist? Ist Ihnen wichtiger, dass es gehorcht oder dass es selbstständig ist? Wichtiger, dass es sich gut benimmt oder dass es rücksichtsvoll ist? Dass es gute Manieren hat oder dass es neugierig ist?"
Das sind super-interessante Fragen. Vor allem, wenn es darum geht, was ich EIGENTLICH bei meinen Kindern fördern will (Neugierde, Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit) und was ich vielleicht manchmal/oft tatsächlich fördere, weil ich es aus meiner eigenen Erziehung als die erwünschten Eigenschaften kenne. Also Respekt, Gehorsam, möglichst nicht negativ auffallen ("Kinder sollte man sehen, aber nicht hören", erinnert sich da jemand dran?).
Und auch Snowqueen vom "gewünschtesten Wunschkind" (wenn dieser Blog-Titel nicht wäre, ich würde da ja viel öfter hin verlinken) erzählt eine Geschichte aus der Richtung: Wie gehen wir damit um, dass unsere Eltern uns so gut verletzen können, meist ohne es zu wollen.
So erzählt sie:
"Nachdem sie sich eine Weile vergeblich um Herrn Friedlich bemüht hatte, indem sie ihn freundlich ansprach, wandte sich meine Mutter an mich mit den Worten: "Er ist aber wirklich ein ganz schönes Muttersöhnchen!" "
Das kenne ich soo gut. Was hab ich mich schon gefragt, was meine Familie mir mit dem Attribut "Löwenmutter" sagen will (das übrigens definitiv negativ gemeint ist). Und da ist sie ja, die Antwort. Wahrscheinlich eine gewissen Enttäuschung, dass meine Kinder sich eher an mir orientieren, wenn wir zusammen bei meinen Eltern zu Besuch sind. Weil sie dort so selten sind, dass sie sich nicht sofort wohl und zu Hause fühlen. Weil sie sich auch freuen, wenn wir mal zusammen sind, wegen Ganztagsschule und Job ist das ja auch bei uns nicht ständig der Fall, dass wir alle zusammen Freizeit haben.
Und so löst sich dieses Rätsel also auf und es wird wieder mal klar: Wir versuchen alle unser Bestes, funktionieren tut das aber weder bei ihnen, noch bei mir immer so konstruktiv. Falls ich immer noch das Bedürfnis habe, das Thema mit meinen Eltern anzusprechen, dann jetzt mit weniger Vorwürfen und Verletztheiten von meiner Seite. Was eine gute Voraussetzung ist, um wirklich ins Gespräch zu kommen.
Internet, ich danke Dir mal wieder, Du hast mein Leben grade mal wieder ein bisschen besser gemacht!
Zum Beispiel vom Haltungsturnen (hat er selber übernommen von Matthew MacWilliams):
"Ist Ihnen bei Ihrem Kind wichtiger, dass es Respekt hat oder dass es unabhängig ist? Ist Ihnen wichtiger, dass es gehorcht oder dass es selbstständig ist? Wichtiger, dass es sich gut benimmt oder dass es rücksichtsvoll ist? Dass es gute Manieren hat oder dass es neugierig ist?"
Das sind super-interessante Fragen. Vor allem, wenn es darum geht, was ich EIGENTLICH bei meinen Kindern fördern will (Neugierde, Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit) und was ich vielleicht manchmal/oft tatsächlich fördere, weil ich es aus meiner eigenen Erziehung als die erwünschten Eigenschaften kenne. Also Respekt, Gehorsam, möglichst nicht negativ auffallen ("Kinder sollte man sehen, aber nicht hören", erinnert sich da jemand dran?).
Und auch Snowqueen vom "gewünschtesten Wunschkind" (wenn dieser Blog-Titel nicht wäre, ich würde da ja viel öfter hin verlinken) erzählt eine Geschichte aus der Richtung: Wie gehen wir damit um, dass unsere Eltern uns so gut verletzen können, meist ohne es zu wollen.
So erzählt sie:
"Nachdem sie sich eine Weile vergeblich um Herrn Friedlich bemüht hatte, indem sie ihn freundlich ansprach, wandte sich meine Mutter an mich mit den Worten: "Er ist aber wirklich ein ganz schönes Muttersöhnchen!" "
Das kenne ich soo gut. Was hab ich mich schon gefragt, was meine Familie mir mit dem Attribut "Löwenmutter" sagen will (das übrigens definitiv negativ gemeint ist). Und da ist sie ja, die Antwort. Wahrscheinlich eine gewissen Enttäuschung, dass meine Kinder sich eher an mir orientieren, wenn wir zusammen bei meinen Eltern zu Besuch sind. Weil sie dort so selten sind, dass sie sich nicht sofort wohl und zu Hause fühlen. Weil sie sich auch freuen, wenn wir mal zusammen sind, wegen Ganztagsschule und Job ist das ja auch bei uns nicht ständig der Fall, dass wir alle zusammen Freizeit haben.
Und so löst sich dieses Rätsel also auf und es wird wieder mal klar: Wir versuchen alle unser Bestes, funktionieren tut das aber weder bei ihnen, noch bei mir immer so konstruktiv. Falls ich immer noch das Bedürfnis habe, das Thema mit meinen Eltern anzusprechen, dann jetzt mit weniger Vorwürfen und Verletztheiten von meiner Seite. Was eine gute Voraussetzung ist, um wirklich ins Gespräch zu kommen.
Internet, ich danke Dir mal wieder, Du hast mein Leben grade mal wieder ein bisschen besser gemacht!
Montag, 23. Mai 2016
Meine lieben Eltern
Man hat ja normalerweise recht viel auszusetzen an seinen Eltern. Je näher jemand einem steht, desto genauer sieht man die Macken und Fehler.
Was habe ich ihnen nicht schon alles vorgeworfen. Angefangen beim Geburtstag ("Ihr wisst doch, wie doof es ist, so nah an Weihnachten Geburtstag zu haben" - na, hat ja nur 30 Jahre und zwei eigene Dezemberkinder gedauert, bis ich mir das gespart habe). Ging weiter über harmlose körperliche Merkmale (ja, Genetik. Ich habe ihnen die Vererbung vorgeworfen.). Statt dass man zum Beispiel für durchschnittliche Körpergröße oder den IQ dankbar ist. NEIN, der ist quasi vom Himmel gefallen, ist klar, ne?
Andere Eigenschaften waren natürlich wirklich nicht immer super. Hatte zum Teil mit ihrer eigenen Sozialisierung zu tun. Da gibt es ganze Blog-Reihen drüber. Hat mir weitergeholfen, mir das klar zu machen. Die meisten Eltern wollen doch das beste für ihr Kind. Die sagen nicht: Jetzt bauen wir hier aber mal so richtig mit Absicht Mist, damit das Kind seinem Therapeuten später auch was zu erzählen hat. Also, meistens zumindest, sicher gibt es auch Eltern, die einfach scheiße oder sehr mit sich selber beschäftigt sind. Da gehören meine aber glücklicherweise nicht zu.
Da stecken also oft ganz eigene Kämpfe mit der Vergangenheit dahinter. Und so kann ich, seit ich mich damit beschäftige (gutes Gesprächsthema bei uns: familiäre Vergangenheit. Weniger aufgeladen als zum Beispiel Diskussionen über aktuelle politische Fragen. Und man lernt fast immer etwas, was beim Verständnis der eigenen Eltern hilft), vieles besser einordnen. Und auch mal dafür dankbar sein, welche Verletzungen NICHT weitergegeben wurden. Wo sie die Negativ-Spirale, oft unter Zahlung eines Preises, zwischen den Generationen unterbrochen haben und uns etwas erspart haben.
Und dann die richtig positiven Dinge. Ohne hier ins Detail zu gehen: Als mein Vater sich entschloss, meine Mutter zu heiraten, wurde das auf Seiten seiner Familie sicher nicht nur positiv gesehen. Aber da gibt es eben Eigenschaften an ihm, wie Verlässlichkeit, Entschlossenheit, hohes Verantwortungsgefühl. Über die ich mich freue, wenn ich sie in mir wiederfinde und mir klarmache, dass ich damit nicht einfach geboren wurde, sondern einiges von meinen Eltern gelernt habe. Also ja, danke. Einfach mal danke.
Was habe ich ihnen nicht schon alles vorgeworfen. Angefangen beim Geburtstag ("Ihr wisst doch, wie doof es ist, so nah an Weihnachten Geburtstag zu haben" - na, hat ja nur 30 Jahre und zwei eigene Dezemberkinder gedauert, bis ich mir das gespart habe). Ging weiter über harmlose körperliche Merkmale (ja, Genetik. Ich habe ihnen die Vererbung vorgeworfen.). Statt dass man zum Beispiel für durchschnittliche Körpergröße oder den IQ dankbar ist. NEIN, der ist quasi vom Himmel gefallen, ist klar, ne?
Andere Eigenschaften waren natürlich wirklich nicht immer super. Hatte zum Teil mit ihrer eigenen Sozialisierung zu tun. Da gibt es ganze Blog-Reihen drüber. Hat mir weitergeholfen, mir das klar zu machen. Die meisten Eltern wollen doch das beste für ihr Kind. Die sagen nicht: Jetzt bauen wir hier aber mal so richtig mit Absicht Mist, damit das Kind seinem Therapeuten später auch was zu erzählen hat. Also, meistens zumindest, sicher gibt es auch Eltern, die einfach scheiße oder sehr mit sich selber beschäftigt sind. Da gehören meine aber glücklicherweise nicht zu.
Da stecken also oft ganz eigene Kämpfe mit der Vergangenheit dahinter. Und so kann ich, seit ich mich damit beschäftige (gutes Gesprächsthema bei uns: familiäre Vergangenheit. Weniger aufgeladen als zum Beispiel Diskussionen über aktuelle politische Fragen. Und man lernt fast immer etwas, was beim Verständnis der eigenen Eltern hilft), vieles besser einordnen. Und auch mal dafür dankbar sein, welche Verletzungen NICHT weitergegeben wurden. Wo sie die Negativ-Spirale, oft unter Zahlung eines Preises, zwischen den Generationen unterbrochen haben und uns etwas erspart haben.
Und dann die richtig positiven Dinge. Ohne hier ins Detail zu gehen: Als mein Vater sich entschloss, meine Mutter zu heiraten, wurde das auf Seiten seiner Familie sicher nicht nur positiv gesehen. Aber da gibt es eben Eigenschaften an ihm, wie Verlässlichkeit, Entschlossenheit, hohes Verantwortungsgefühl. Über die ich mich freue, wenn ich sie in mir wiederfinde und mir klarmache, dass ich damit nicht einfach geboren wurde, sondern einiges von meinen Eltern gelernt habe. Also ja, danke. Einfach mal danke.
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