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Donnerstag, 15. September 2016

Kinder mögen keine Veränderungen. Und Schulen auch nicht

Kinder sind wahre Konservative. Alles soll so bleiben, wie es ist. Vermutlich keine bahnbrechende Neuigkeit für Säuglings-Eltern, die mal versucht haben, den Mittagsschlaf ihrer Kinder ausfallen zu lassen. Das hört aber auch später nicht auf.

Gerade mögen meine Kinder es nicht, dass sich an den elterlichen Arbeitszeiten etwas ändert. Dass Papa seit einigen Monaten mehr und vermehrt außer Haus arbeitet, haben sie ohne größere Reaktion hingenommen (bilde ich mir ein). Da war ja auch Mama, die das zeitlich größtenteils auffangen konnte, weil sie zeitgleich eher weniger außer Haus gearbeitet hat.

Aber jetzt,  wo sich das ändert, da gehen die Diskussionen los. "Wieso bist Du dann nicht zu Hause?", "Warum muss ich in die Nachmittagsbetreuung und die anderen nicht?", "Weshalb steht bei uns mittags kein gekochtes Essen auf dem Tisch?"

Tja, wieso, weshalb, warum? Da kommt mir der Artikel von Patricia Cammarata (das Nuf) ganz recht, zum Thema Veränderungen und weshalb die Welt nicht mehr so ist wie in Westdeutschland in den 80er Jahren:

"Ja. Das ist scheißanstrengend. Finde ich auch. Aber so ist das jetzt.

Damals™ ist vorbei.", so ihre Schlussworte, die auch bei uns passen.

Und aus ähnlichen Gründen. Veränderungen sind anstrengend, auch für Kinder. Wenn zudem das Neue nicht unbedingt und sofort ersichtlich besser ist. Geldmangel war für sie nicht spürbar, ob Mutter zufriedener oder unzufrieder ist mit Arbeit, zeigt sich erst auf längere Sicht und nicht sofort, immer und gleich.

Hinzu kommt noch, wie gut oder schlecht die Alternative ist. Und da hätten wir durchaus noch Luft nach oben.

Ja, Nachmittagsbetreuung in der Schule, ich rede über Dich! Während die Grundschulen hier in Hamburg die Herausforderung zum großen Teil inzwischen angenommen haben ("Ok, Ganztag, das ist jetzt so und geht wohl auch nicht mehr weg, also versuchen wir wenigstens, was pädagogisch Sinnvolles daraus zu machen, was den Kindern nützt und Spaß macht"), scheinen die weiterführenden Schulen immer noch auf dem Standpunkt zu stehen: "Je unattraktiver wir das Nachmittagsangebot machen, desto weniger Kinder nutzen das, desto weniger Aufwand haben wir, hurra! Stellen wir dafür also günstige Honorarkräfte und/oder Studierende ein. Am besten geben wir denen keine Mittel oder Raumschlüssel in die Hand, damit sie gar nicht erst auf die Idee kommen, spannende Sachen mit den Kindern zu machen."

Ich hoffe sehr, dass sich das mit dem vermehrten Zustrom von ganztagsverwöhnten Eltern und ihren Kindern bessert. Schließlich haben die Eltern ihre Lebensplanung unter der Prämisse gemacht, auch weiter nachmittags gut versorgte Kinder zu haben, so wie sie es aus Kita- und Grundschulzeiten gewohnt sind. Und sehen jetzt nicht unbedingt ein, beruflich wieder kürzerzutreten, um das Kind davon abzuhalten, den Nachmittag allein zu Haus vor dem Handy zu verbringen und mit ihm um die Erledigung der Hausaufgaben zu streiten.

Ansonsten bleibt wohl nur: Aktiv werden. Dieses Ding mit Elternabenden, worüber man in letzter Zeit wieder soviel liest. aktiv werden, Elternvertreter werden oder sie zumindest mit Themen und Argumenten versorgen. Damit Nachmittagsbetreuung (oder Ganztagsschule) von den Schulen als Chance, und nicht als Last, genutzt wird

Sonntag, 2. August 2015

Zölibat für Wirtschaftslenker

Zölibat ausweiten! Nicht abschaffen. Nein. Wenn der ursprüngliche Gedanke dahinter ist, dass sich ein Priester, ein von Gott Berufener, seiner Berufung nur voll und ganz widmen kann, wenn er nicht  von einer Familie abgelenkt wird - dann sollten wir diesen Gedanken weiterspinnen.

Es ist eine absolut überlegenswerte Lebensform für diejenigen, die so sehr für ihren Beruf "brennen".  Es gibt dann diejenigen, die sich ganz ihrer Arbeit widmen. Unabgelenkt von Familie und ähnlichem Kleinkram. Gönnen wir ihnen auch noch jemanden zum Haushalt-Führen.

Und unsereins muss sich  keine Gedanken mehr darum machen, weshalb diese ganze "Vereinbarkeit" von Familie und Job so schlecht klappt. Keiner verlangt das von einem. Entweder entscheidet man sich für diesen "Brennen"-Karrieretrack, dann aber ohne Familie, die man ja sowieso so gut wie gar nicht sehen würde. Oder eben den ganz normalen Job, der sich dann aber ohne Probleme zeitlich verkürzen ließe, so dass auch das normale Leben zu seinem Recht käme. Und nicht dieser unheilvolle Anspruch, es ließe sich alles in einem Leben und möglichst auch noch gleichzeitig schaffen!

Sonntag, 10. Februar 2013

Ganztagsschule in Bayern

Wie meine Kollegin so schön sagte: Seit ihr Kind Schulkind ist, überlegt sie, ob Teilzeit nicht eine Option ist. Vorher war keine Frage, dass Vollzeit arbeiten geht, wenn es auch anstrengend ist. Kindergarten. Was soll dem Kind da groß passieren, spielt es halt ein bisschen länger am Nachmittag.

Aber Schule: Plötzlich "geht es eben um was", muss nachmittags jemand bereitstehen als privater Nachhilfelehrer und Hausaufgabenantreiber. Und selbst mit Ganztagsschule, die hier in Hamburg ja auch grad massiv vorangetrieben wird: Werden wir wirklich darauf verzichten können, als Nachhilfelehrer zu dienen? Dann eben abends um sechs und nicht mehr nachmittags nach den Hausaufgaben? Immerhin, keine Hausaufgaben wären ein kleiner Fortschritt, vielleicht geht es nur so, Schritt für Schritt.

Und hier noch der Auslöser-Artikel vom Verband berufstätiger Mütter.


Mittwoch, 5. Oktober 2011

Unfassbar, oder?

Ich kann den Leuten, die sich wundern, weshalb Mütter nur Teilzeit und inzwischen sogar weniger Stunden Teilzeit als früher arbeiten, gern erklären, weshalb.

Da kommt die junge Mutter hochmotiviert zurück in den Beruf. Und merkt schnell, dass egal, wie viel sie arbeitet, ob sie nie fehlt wegen Kind-Krank, es doch nicht mehr dasselbe ist wie vor der Teilzeit.

Und fragt sich: Wieso?
Finde nur ich das unlogisch? Sie ist noch genauso schlau und genauso arbeitsam wie früher, will heißen, wie vor dem Kind, wie vor der Teilzeit. Das heißt, sie würde genauso gute Arbeit machen (und man war früher zufrieden damit!), man bräuchte halt nur mehr von ihrer Sorte, um genausoviel wie vorher geschafft zu bekommen.

Sogar mehr, denn ich kann bestätigen, was man auch schon nachlesen kann: Wenn ich um 16.00 Uhr gehen muss, damit der Kindergarten nicht mein Kind an den Straßenrand stellt, weil die Betreuungszeit um ist, dann arbeite ich bis 16.00 Uhr durch. Und weil es ja immer mehr zu tun als Arbeitszeit gibt, arbeite ich so, dass es ein Wunder ist, dass mir die Plastikplättchen nicht von der Tastatur fliegen. Bis zur letzten Minute. Zu Zeiten, als ich Vollzeit arbeitete, gab es doch öfter mal Zeit für eine Kaffeepause.

Also, woran liegt es? Ist das zu mühsam für die Chefs, sich auf mehr Leute einzustellen? Haben die alle Mitleid mit der Personalabteilung wegen des Mehraufwandes? Doch schlechte Erfahrungen gemacht mit Müttern, die dauernd nach Hause mussten wegen Kind-krank und darunter müssen jetzt ALLE Mütter leiden?

Habe inzwischen schon drei Mal gehört, dass Unternehmen ganz überrascht waren, wie viele Bewerbungen sie gekriegt haben auf eine anspruchsvolle (das ist hier das wichtige Wort!) Teilzeitstelle. (Viel mehr als drei Mal kann auch nicht sein, schon mal bei Xing oder so gesucht, was da an Teilzeitstellen angeboten wird?) Und wieso? Weil da hochqualifizierte Mütter sitzen die sich verzehren nach so einem Job. Der ihre Fähigkeiten fordert und nutzt. Und einsieht, dass man beziehungsweise in diesem Fall tatsächlich frau, das auch in 20, 25, 30 oder 35 Stunden pro Woche kann.

Samstag, 6. August 2011

Teilzeitarbeit ist teuer?

Das ist das Argument, was man immer hört. Aber wie kann es so viel teurer sein, zwei Teilzeitkräfte statt einer Vollzeitkraft zu beschäftigen? An der Lohnhöhe kann es ja nicht liegen, es sei denn, man stellt eine sehr teure zusätzliche Teilzeitkraft ein, während man vorher eine sehr billige Vollzeitkraft hatte.

"Aber die Sozialabgaben". Ja, die Sozialabgaben. Wieso sind die denn für eine Vollzeitkraft billiger als für Teilzeitkräfte? Ich hab mich mal informiert. (nebenbei: wo findet man solche Informationen? Bei den Gewerkschaften, hört, hört.. S. 24 von 32 übrigens).

Sozialabgaben sind eigentlich auch nicht höher, wenn man den Lohn und die Arbeitszeit durch zwei teilt. ABER: Es gibt Bemessungsgrenzen. Da werden also für die Rentenversicherung 20% des Gehalts fällig (gerundet, ich weiß, es sind in Wirklichkeit 19kommabisschenwas), ABER nur bis zu einem maximalen Jahresgehalt von zurzeit 66.000 EUR.

D.h. wenn ich eine Vollzeitkraft hatte, die 80.000 EUR im Jahr verdient hat, dann hat der Arbeitgeber nur für 66.000 EUR die  Sozialversicherung bezahlt (13.200 EUR in dem Beispiel), für die restlichen 14.000 EUR nicht.

Wenn nun stattdessen zwei Teilzeitkräfte mit je 40.000 EUR Jahresgehalt eingestellt werden, dann bezahlt der AG zwei Mal 20% auf die vollen 40.000, weil sie unter der Bemessungsgrenze liegen, also zwei Mal 8000 EUR (=20% von 40.000), also 16.000 EUR.

In diesem Fall kommen den Arbeitgeber die Teilzeitkräfte also 2800 EUR im Jahr teurer als eine Vollzeitkraft.

Das heißt es ist wirklich ein bisschen mehr für Arbeitskräfte, die Vollzeit ziemlich gut verdient haben. Hinzu kommen Kosten für zusätzliche Arbeitsplatzeinrichtungen (zwei Computer, zwei Schreibtische, zwei Stühle, doppelt soviel Platz im Büro).

Aufgewogen meiner Meinung nach dadurch, dass 50%-Arbeitnehmer meist deutlich mehr leisten und sehr straff arbeiten. Da wird bis zur letzten Minute durchgearbeitet (was auch viel leichter ist, weil man nach fünf Stunden einfach konzentrierter ist als nach acht), und der Kaffeeklatsch mit den Kollegen fällt auch viel kürzer aus, wenn er nicht ganz wegfällt.

Aber das müsste ein Arbeitgeber natürlich abwägen. Und dazu die Fakten kennen und nicht irgendwo im Hinterkopf haben "das ist doch irgendwie viel teurer, oder?"