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Samstag, 2. Juli 2016

Fake it till you make it

Meistens halte ich das für eine doofe Idee. So zu tun als ob. Eine selbsterfüllende Prophezeiung in positiv. So lange machen, bis es anfängt, Spaß zu machen (hier noch mal auf Englisch erklärt).

Mindestens ein Mal im Jahr greife ich aber doch darauf zurück. Wenn der Turnverein des Kindes ruft: Der sommerliche Ausflug in den Heidepark steht an.

Im ersten Jahr haben wir es ganz falsch gemacht. Das (noch sehr junge) Kind allein losgeschickt. Also nicht allein, aber mit der Gruppe. Der Zettel klang so, als könne man das machen. Heißt aber, dass das Kind irgendeiner anderen armen Familie aufgedrückt wird, die den ganzen Tag mit ihm rumlaufen muss. Mit unserem hat man da ja noch Glück, gibt ganz andere Heiopeis, die man da einen Tag lang beaufsichtigen kann - ein spaßiger Familienausflug sieht anders aus.

Beim zweiten Mal waren wir etwas besser - aber es gab noch viel zu lernen. Bei den beiden anderen Müttern, die mich dankenswerterweise unter ihre Fittiche nahmen, lernte ich, was so ein Ausflug braucht. Nämlich vor allem eine ordentliche Brotzeit! Frikadellen! Würstchen! Kuchen!

So halten wir es seitdem. Die Familie fährt so vollständig wie möglich mit. Es ist ein Familienausflug, den wir alle genießen werden ("fake it, till you make it"). Deshalb macht es uns auch nichts aus, am Sonntag zu nachtschlafender Zeit aufzustehen, den Tag dort zu verbringen und abends erst bei Schließung wieder nach Hause aufzubrechen. Außerdem haben wir Nahrungsmittel für anderthalb bis zwei Tage dabei - man kann ja nie wissen. Dieses Jahr experimentieren wir damit, zusätzlich Freunde der Kinder mitzunehmen (Share the pain ... äh, the joy, the joy!)

Und irgendwann, hui, in der Achterbahn, oder beim Picknick, schleicht sich dann doch ein Lächeln in mein Gesicht. Denn schließlich - siehe oben. Funktioniert doch.

Donnerstag, 26. Mai 2016

Wo kommen wir her

Das scheint mich wirklich zu beschäftigen. Wie prägt uns das, wo wir herkommen. Was von dem, das wir von unseren Eltern an Eigenschaften und Einstellungen mitbekommen haben, wollen wir bewusst an unsere Kinder weitergeben - und was nicht. In den letzten Tagen lese ich aus anderen Blogartikeln quasi nur noch diese Themen heraus.

Zum Beispiel vom Haltungsturnen (hat er selber übernommen von Matthew MacWilliams):
"Ist Ihnen bei Ihrem Kind wichtiger, dass es Respekt hat oder dass es unabhängig ist? Ist Ihnen wichtiger, dass es gehorcht oder dass es selbstständig ist? Wichtiger, dass es sich gut benimmt oder dass es rücksichtsvoll ist?  Dass es gute Manieren hat oder dass es neugierig ist?"

Das sind super-interessante Fragen. Vor allem, wenn es darum geht, was ich EIGENTLICH bei meinen Kindern fördern will (Neugierde, Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit) und was ich vielleicht manchmal/oft tatsächlich fördere, weil ich es aus meiner eigenen Erziehung als die erwünschten Eigenschaften kenne. Also Respekt, Gehorsam, möglichst nicht negativ auffallen ("Kinder sollte man sehen, aber nicht hören", erinnert sich da jemand dran?).

Und auch Snowqueen vom "gewünschtesten Wunschkind" (wenn dieser Blog-Titel nicht wäre, ich würde da ja viel öfter hin verlinken) erzählt eine Geschichte aus der Richtung: Wie gehen wir damit um, dass unsere Eltern uns so gut verletzen können, meist ohne es zu wollen. 

So erzählt sie:
"Nachdem sie sich eine Weile vergeblich um Herrn Friedlich bemüht hatte, indem sie ihn freundlich ansprach, wandte sich meine Mutter an mich mit den Worten: "Er ist aber wirklich ein ganz schönes Muttersöhnchen!" "

Das kenne ich soo gut. Was hab ich mich schon gefragt, was meine Familie mir mit dem Attribut "Löwenmutter" sagen will (das übrigens definitiv negativ gemeint ist). Und da ist sie ja, die Antwort. Wahrscheinlich eine gewissen Enttäuschung, dass meine Kinder sich eher an mir orientieren, wenn wir zusammen bei meinen Eltern zu Besuch sind. Weil sie dort so selten sind, dass sie sich nicht sofort wohl und zu Hause fühlen. Weil sie sich auch freuen, wenn wir mal zusammen sind, wegen Ganztagsschule und Job ist das ja auch bei uns nicht ständig der Fall, dass wir alle zusammen Freizeit haben. 

Und so löst sich dieses Rätsel also auf und es wird wieder mal klar: Wir versuchen alle unser Bestes, funktionieren tut das aber weder bei ihnen, noch bei mir immer so konstruktiv. Falls ich immer noch das Bedürfnis habe, das Thema mit meinen Eltern anzusprechen, dann jetzt mit weniger Vorwürfen und Verletztheiten von meiner Seite. Was eine gute Voraussetzung ist, um wirklich ins Gespräch zu kommen.

Internet, ich danke Dir mal wieder, Du hast mein Leben grade mal wieder ein bisschen besser gemacht!

Montag, 23. Mai 2016

Meine lieben Eltern

Man hat ja normalerweise recht viel auszusetzen an seinen Eltern. Je näher jemand einem steht, desto genauer sieht man die Macken und Fehler.

Was habe ich ihnen nicht schon alles vorgeworfen. Angefangen beim Geburtstag ("Ihr wisst doch, wie doof es ist, so nah an Weihnachten Geburtstag zu haben" - na, hat ja nur 30 Jahre und zwei eigene Dezemberkinder gedauert, bis ich mir das gespart habe). Ging weiter über harmlose körperliche Merkmale (ja, Genetik. Ich habe ihnen die Vererbung vorgeworfen.). Statt dass man zum Beispiel für durchschnittliche Körpergröße oder den IQ dankbar ist. NEIN, der ist quasi vom Himmel gefallen, ist klar, ne?

Andere Eigenschaften waren natürlich wirklich nicht immer super. Hatte zum Teil mit ihrer eigenen Sozialisierung zu tun. Da gibt es ganze Blog-Reihen drüber. Hat mir weitergeholfen, mir das klar zu machen. Die meisten Eltern wollen doch das beste für ihr Kind. Die sagen nicht: Jetzt bauen wir hier aber mal so richtig mit Absicht Mist, damit das Kind seinem Therapeuten später auch was zu erzählen hat. Also, meistens zumindest, sicher gibt es auch Eltern, die einfach scheiße oder sehr mit sich selber beschäftigt sind. Da gehören meine aber glücklicherweise nicht zu.

Da stecken also oft ganz eigene Kämpfe mit der Vergangenheit dahinter. Und so kann ich, seit ich mich damit beschäftige (gutes Gesprächsthema bei uns: familiäre Vergangenheit. Weniger aufgeladen als zum Beispiel Diskussionen über aktuelle politische Fragen. Und man lernt fast immer etwas, was beim Verständnis der eigenen Eltern hilft), vieles besser einordnen. Und auch mal dafür dankbar sein, welche Verletzungen NICHT weitergegeben wurden. Wo sie die Negativ-Spirale, oft unter Zahlung eines Preises, zwischen den Generationen unterbrochen haben und uns etwas erspart haben.

Und dann die richtig positiven Dinge. Ohne hier ins Detail zu gehen: Als mein Vater sich entschloss, meine Mutter zu heiraten, wurde das auf Seiten seiner Familie sicher nicht nur positiv gesehen. Aber da gibt es eben Eigenschaften an ihm, wie Verlässlichkeit, Entschlossenheit, hohes Verantwortungsgefühl. Über die ich mich freue, wenn ich sie in mir wiederfinde und mir klarmache, dass ich damit nicht einfach geboren wurde, sondern einiges von meinen Eltern gelernt habe. Also ja, danke. Einfach mal danke.

Montag, 25. April 2016

Die lieben Großeltern - ein Idyll?

Sarahplusdrei beschreibt ein schönes Zusammenleben der Generationen. Selbst wenn der Großvater nicht in der Nähe lebt, ist er eine wichtige Bezugsperson für die Kinder.

Bei uns ist die räumliche Entfernung ähnlich, hat aber dazu geführt, dass die Großeltern sich nicht so richtig an ihre Enkel rangetraut haben.Vielleicht stehen dem auch noch andere Vorstellungen von Kindererziehung entgegen. Denn trotz zweier eigener Kinder kämen meine Eltern vermutlich nicht auf die Idee, ein Enkelkind zum Einschlafen stundenlang herumzutragen. Die sollen ja schließlich im eigenen Bett schlafen, ne? Am besten, so ab kurz nach der Geburt.