Sonntag, 10. Januar 2021

Learnings aus der Auszeit

Vor einigen Jahren hatte ich, bewusst gewählt, ein paar Monate keine Erwerbsarbeit. Hier meine Erkenntnisse aus dieser Zeit.

- ToDo-Listen sind anfangs ganz schön - und dann auch wieder nicht mehr so
- Wenn man arbeitet, ist das eine ganz gute Ausrede, warum man viele private "Projekte" (Keller ausmisten ist so ein Projekt) nicht schafft. Wenn die Ausrede wegfällt und man trotzdem nur 10% von den vielen Dingen verwirklicht - dann waren sie wohl nicht wirklich wichtig und können von der Liste gestrichen werden!

Und welche Dinge habe ich nun "geschafft"?
- "Das Lied von Eis und Feuer", alle 10 Bände durch!
- Ein Spielhaus gestrichen - mit zwei unterschiedlichen Farben und Klarlack!

Was kann offensichtlich runter von der ToDo-Liste, weil es mich nicht zum Tun anregte?
- Keller richtig gut ausmisten
- überhaupt alles richtig gut ausmisten - wird hier wohl erst passieren, wenn die Kinder ausgezogen, ich in Rente und wirklich gelangweilt bin.

Freitag, 8. Januar 2021

Wie lieb hat eine Erzieherin ihre Zöglinge?

Also wie hat man jemanden ganz normal und professionell lieb?

Ich hab mich einmal gefreut, als ich sah, wie herzlich die Erzieherin mit meinem Sohn umging und ihn in den Arm nahm. Und dann sah ich, bei einer Weihnachtsfeier, wie sie das mit einem anderen Kind ganz genauso machte. und war kurz ... eifersüchtig? auf das andere Kind? Sass sie das genauso herzlich-professionell liebhaben konnte wie mein Kind? Sehr erstaunlich, und sicher nicht leicht, so eine professionelle Distanz/Nicht-Distanz.

Donnerstag, 7. Januar 2021

Manchen Branchen wünscht man so ein bisschen "Disruption" durch dieses Internet

Möbelkauf!

Einer der größten Hassmomente meines Lebens. Woran man sieht, wie geborgen ich normalerweise lebe, ich weiß.

Aber bitte: Bei allem und jedem alltäglichen Kauf vergleicht man ein bisschen, kriegt hoffentlich heraus, was die entscheidenden Details sind und was einem selber wichtig ist. Und kauft dann einfach. So wie neulich den Wäschetrockner.

Aber nicht bei größeren, teureren Möbeln. Einer Küche etwa, die nicht aus Fertigblöcken aus dem Baumarkt besteht. Oder Sofas, bei denen man zwischen verschiedenen Varianten und Bezügen wählen kann.

Und dann geht es los. Man ist es natürlich nicht gewöhnt, zu handeln. Muss man sonst ja so gut wie nie. Und das Gegenüber macht das quasi jeden Tag. Unfair! Dann merkt man, wie jeder gute alte Vertriebstrick aus der Kiste gezogen wird ("unverwandt in die Augen starren", "Moment, da muss ich mal meinen Chef fragen, ob wir das noch was machen können"), dann muss man doch schlechte Laune kriegen! 

Gibt es nicht irgendwo Möbelhäuser, die sich dem entziehen und dadurch 10x angenehmer für Kunden sind? Ach, lach, richtig, Ikea. Nein, nein, überlegt Ihr mal ruhig weiter, Roller und Konsorten, wieso die Leute da lieber einkaufen als bei Euch. Liegt bestimmt nur an den Preisen, klar, macht Euch da mal weiter keine Gedanken.

Mittwoch, 6. Januar 2021

Vielleicht doch nicht für immer Sommerzeit?

 Dieses Jahr rückte die übliche Diskussion um die Umstellung auf die Sommerzeit/Winterzeit wegen Corona etwas in den Hintergrund. Wir haben ja abgestimmt, ob wir die Umstellung in Zukunft beibehalten wollen oder nicht. Wollen wir mit großer Mehrheit nicht. Und angeblich wollen wir in unserer Mehrheit, dass es bei dauerhafter Sommerzeit mit den schönen langen Sommerabenden bleibt.

Und so schön das ist: Gerade sind die doofen langen Wintermorgende. Online-Beschulung sei dank (hi Corona) müssen wir nicht wie üblich um 6.30 Uhr hoch, sondern es reicht 8.00 Uhr, um sich immer noch pünktlich in die erste Video-Konferenz zu rollen. Aber es ist soooo dunkel um diese Zeit. Mag sein, wir sind hier hoch im Norden. Sonnenaufgang angeblich heute um 8.34 Uhr. Schon mal zwanzig Minuten später als im Süden (Konstanz, als Beispiel, 8.11 Uhr). Ein Glück, Berlin mit seinen Entscheidern liegt auch eher nördlich. Also ich hätte nichts gegen dauerhafte Winterzeit. Zumal das ja dann gar nicht mehr so grau und kalt heißt, ist ja dann "Normalzeit".

Dienstag, 5. Januar 2021

Distanzlernen - ab heute wieder

 Hier ist heute Schulanfang nach den Weihnachtsferien. Und immerhin kamen von allen drei Schulen Anleitungen, wie es losgehen soll. Und während es bei der Grundschule seit der Klassenquarantäne im Dezember sehr gut läuft, sind die Klassen der Älteren offensichtlich noch in der Findungsphase. Eine Lehrerin ist nicht aufgetaucht in der ersten Stunde. Man weiß nicht, ob es an iServ liegt, wo viele derzeit wegen Überlastung der Server nicht reinkommen. Oder ob sie es vergessen hat? Oder keine Lust hat? Keine Ahnung. Vielleicht ist sie auch einfach nur sehr datenschutz-konform und kann deshalb keinen auf anderem Weg erreichen um zumindest mal zu vermelden, was los ist. Aber Hauptsache, 20 Schüler*innen sitzen eine Schulstunde lang vergeblich wartend vorm Rechner, das fördert natürlich die Motivation ungemein.

Unterschied zum Frühjahr: Da saßen alle drei oft zusammen am großen Tisch, denn alle hatten offline zu tun. Im Moment ist jeder eher vor dem eigenen Bildschirm. Einen Bildschirm (samt zugehörigem Rechner) haben wir selber angeschafft, als klar wurde, dass die Digitalisierung dank Corona nun in der Schule wirklich so weit ist, dass das nötig ist. Einen hat ein Kind in der Schule ausgeliehen, ein ganz neues Ding, nicht schlecht. Und ein Kind hatte auf so etwas keine Lust und muss jetzt improvisieren. Wir beobachten das die nächsten Tage. Ich habe immer noch Hoffnung, dass die weiterführenden Schulen durch erzwungenes Learning by Doing endlich weiterkommen. Kann mich trotzdem kaum zurückhalten, dieses Video über Hybriden Unterricht  ("Was ist Hybridunterricht und wie beginnt man damit?" von Philippe Wampfler) - und was alles kein hybrider Unterricht, sondern nur mühsamer und nicht vollwertiger Ersatz ist) an alle Schulen, Elternräte und Lehrer*innen zu verschicken, die ich so kenne.

Montag, 4. Januar 2021

Jahresanfang

 Noch voller guter Vorsätze ("mehr Dinge erschaffen, weniger Dinge konsumieren").

Erster Arbeitstag im Jahr (hab ich ein Glück). Nach längerer Krankheit gibt es doch Wiedereingliederungsvereinbarung, bei der man mit weniger Stunden wieder einsteigt. Das bräuchten wir nach den Feiertagen doch auch alle, oder nicht?

Montag, 21. Oktober 2019

Was schön wäre, liebe Bahn

Ja, ich bin ein Opfer. Ein Opfer der Klimahysterie sogar. Ich wollte dieses Jahr nicht in den Urlaub fliegen. Familienurlaub war bisher ausgefallen wegen teurem und zeitaufwändigem Haus-Umbau. Die Kinder waren gefühlt ständig unterwegs, Austausch hier, Klassenfahrt da (alle drei in einem Jahr, gut, wenn die Reisekasse dafür gefüllt ist), dann noch mal Sommercamp mit den Johannitern etc. Es läpperte sich.

Aber ich wollte auch gern ein paar Tage wegfahren. Nach längeren Diskussionen ("Nein, Paris!", "Nein, Centerparc") wurde es wundersamerweise Brüssel, auf das sich alle einigen konnte. Und was mir sehr entgegen kam, denn ich hatte da noch ein paar Erinnerungen von vor zwanzig Jahren abzugehen.

Dann also die Reise planen. Fliegen wäre mir bei der Entfernung eh albern vorgekommen, das haben wir ganz außen vorgelassen. Mein Mann wäre für Autofahren gewesen, mit einem vollbesetzten Fünfsitzer wäre das sicher auch umwelttechnisch vertretbar gewesen. Aber ich weiß, dass ich nicht Autofahren kann wie die Belgier (Brüssel ist sehr voll, es wird sehr rücksichtsvoll, aber eben auch sehr mit internalisierten Regeln, die nicht unbedingt auf Verkehrsschildern stehen, gefahren, so zumindest mein Eindruck). Außerdem finde ich Autofahren auf langen Strecken anstrengend!

Bahn, das war schon fast gesetzt. Und das war dringend nötig, denn sonst hätten wir es vielleicht nicht so durchgezogen, bei den Steinen, den die Bahn uns in den Weg legte.

Das fängt mit der Verbindungssuche an. Verbindungen geht noch, Preise sind eine ganz andere Sache. Da gibt es Super-Sparpreise für Europa, sobald Verkehrsmittel aus anderen Ländern (bei Brüssel ist das vorzugsweise der Thalys) ins Spiel kommen, kann leider gar kein Preis angezeigt werden, nur für die reinen ICE-Verbindungen geht das. Dann gibt es inzwischen zwei Bahncards in der Familie und die Webseite orakelt nur "es könnte günstiger sein, wenn sie getrennt buchen". Ja was denn getrennt? Zwei und drei? Vier und eins? Es gibt eine Webseite, die natürlich nicht der Bahn selber gehört, die kann ein bisschen von dem, was ich gern hätte. Aber ich weiß: Den günstigsten Preis kriege ich da wahrscheinlich nicht.

Also ab ins Reisezentrum, wie so ein Rentner, der nicht ins Internet möchte. Ich würde ja! Ich möchte! Ihr lasst mich nicht!

Zeit raussuchen, wann die auch offen haben. Strategisch planen, wann es da voraussichtlich nicht so voll ist (nicht zu Pendlerzeiten. Nicht an Tagen, an denen es stürmt oder anderweitig der Bahnverkehr zum Erliegen kam, da dann die Schlangen von Gestrandeten Bahnfahrern vor den Schaltern sich bis um drei Ecken winden). Sitzt natürlich nur noch 1 Mitarbeiter am Schalter in unserer kleinen Vorstadt (ca. 160.000 Einwohner), die Bahn ist da schlank aufgestellt. Kompetente Beratung, aber ich glaube wirklich, dass wir so die beste und günstigste Verbindung bekommen haben. Unkompliziert nenne ich allerdings anders.

Zum Vergleich: Flüge kann ich problemlos selber buchen. Flixbus wäre eine echte Alternative, da war selbst mein kühner Plan "Vielleicht erst Brüssel, dann mit dem Zug durch den Tunnel unterm Kanal und dann von London aus zurück" buchbar gewesen. Aber gut, wir machen es uns gemütlich. Einmal umsteigen in Köln, das mit komfortablem Puffer von 40-50 Minuten. Klappt.

Rückfahrt: Nicht so gut. Der Zug ab Köln fällt aus, kaputt. Ersatzweise über Hannover (also einmal mehr umsteigen), da werden natürlich so gut wie alle Menschen aus dem kaputten Zug hin umgeleitet. Sitzplatzreservierungen für diesen überfüllten Zug 15 Minuten vor Abfahrt? Der Herr am Schalter lächelt nicht mal amüsiert, als ich frage.

Wir stürmen den Zug, die Kinder sind instruiert: Hinsetzen auf alles, wo nicht "Köln-irgendwas" steht. Zumindest ein paar Stationen könnt Ihr dann vielleicht sitzen. Klappt so semi. Eine Station sitzen alle. Dann stehen zwei (darunter ich). Dann stehen vier und ich darf mich dafür setzen (familieninterne Fairness oder so). Dann sind wir endlich in Hannover. Die Dame mit den zwei kleineren Kindern (so drei und fünf Jahre alt, schätze ich) ist eindeutig schlechter dran als wir, sie telefoniert verzweifelt mit dem Mann, ob es wohl jetzt sinnvoller wäre, in Hannover umzusteigen oder bis Berlin durchzufahren. Ein Kind heult dabei, das anderes steht mit großen Augen daneben. Immerhin versucht es nicht abzuhauen.

Also "klar ist Bahnfahren a...teuer, aber gemütlich", das ich mir vorgestellt hatte - das klappt halt nicht unbedingt. Beim Fliegen weiß ich, dass ich zumindest sitzen werde auf der Ersatzstrecke. Auch, dass die Fluglinie sich im Normalfall kümmert, dass ich eine Ersatzstrecke kriege! Bei der Bahn klappt das wohl nur für die 1. Klasse, und selbst da wäre ich mir mit Sitzplatzgarantie nicht sicher. Das einzige, was ich für das vermurkste Urlaubsende zurückbekomme, sind evt. die 18 Euro Reservierungsgebühr. Wirklich, schlagt es auf den Preis drauf, aber überbucht dafür nicht! Das geht in Frankreich doch auch. Soweit ich weiß, kommt man da nur in den TGV, solange noch Plätze vorhanden sind. Im Auto darf auch jeder sitzen, auch im Stau.

Ja, es fällt nicht jedes Mal ein Zug aus. Aber inzwischen doch oft genug, dass ich das anscheinend als reale Möglichkeit einplanen muss und erst mal schauen, ob ich und meine Mitreisenden dafür geeignet sind. Für Schwangere, Behinderte, Menschen mit kleinen Kindern, alte Menschen, die nicht mehr so eben eine Stunde im schwankenden Zug stehen können oder wollen - vielleicht nicht unbedingt anzuraten.