Donnerstag, 16. Juni 2016

Werte weitergeben

Man gibt sich ja Mühe, seinen Kindern die Dinge mitzugeben, die einem wichtig sind. Und manchmal wundert man sich, wenn es offensichtlich nicht geklappt hat.

Hier neulich: Das Kind philosophiert darüber, ob man mir noch erlauben kann, zum Friseur zu gehen, wo ich doch gerade gar kein Geld mehr verdiene. Was für eine schöne Vorlage, um mal ganz in die Tiefe des Wertekanons zu springen: Was ist der Mensch wert? Und: Dieser Wert bemisst sich nicht am Geld, das eine/r verdient.

Ganz wichtig.

Außerdem: Gelassenheit. Für uns war es früher ungefähr einen Schritt vorm Weltuntergang, als es an der Arbeit meines Vaters mal nach Kurzarbeit oder sogar, Schreck, Entlassung aussah. Vermutlich hatten wir Kinder, als ungewollte Gefühlsverstärker, sogar noch größere Angst davor als meine Eltern selber. Und natürlich ist es schlimm, wenn es einen Alleinverdiener gibt, dem dieses Schicksal droht. Aber eben, siehe oben: Wir sind nicht das wert, was wir an Geld einnehmen. Wir sind viel mehr als unser Bankkonto.

Natürlich ist mir klar, dass sich das leichter sagt mit einem gewissen finanziellen Polster. Einem Partner, der weiterhin regelmäßig Geld in den Haushalt einbringt.

Große Bewunderung deshalb für Menschen, die diesen Wert auch mit geringeren finanziellen Mitteln selbstbewusst leben können.

Dienstag, 14. Juni 2016

Mehr Musik

Ich weiß, außer mir selber findet sicher niemand meinen persönlichen Musikgeschmack so interessant, aber trotzdem:

Immer mal wieder tut es doch gut, sich die Helden seiner Jugend noch mal anzuschauen - damals wie heute. Und was für ein Glück, dass es dafür YouTube gibt. Kürzlich spülte dieses Depeche-Mode-Video durch meine Timeline. Herrlich. Und ich mag auch den pickligen Housemartins-Sänger (Paul Heaton) bei Caravan of Love. Fällt einem wenigstens mal wieder ein, wie alt das alles schon ist.

Aber eine Perle ist mir bei der Suche doch untergekommen. Meine geliebte Band The Beautiful South. Und ebenjener Housemartins-Sänger, den Pickeln im vorigen Video ganz knapp entwachsen. Song: "You just can't smile it away" (von Bill Withers) in einer großartigen Coverversion - ja, da ich das Lied nicht kannte, hab ich andere gesucht und gehört, die waren einfach nur platt. Im Video quatschen sie erst, das Lied fängt bei 0:46 an.

Es gänsehäutet mich.

Sonntag, 12. Juni 2016

ICEs haben mein Leben verändert

Und zwar zum Besseren. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, mit einem konventionellen D-Zug nach Hildesheim zu fahren, um mal schnell zu schauen, ob die Stadt sich für ein Studium eignet. Ich meine: Mit 18, ohne Führerschein und ohne Ahnung (Mitfahrzentrale, was ist das?), da war man in seiner Mobilität eher beschränkt.

Aber mal eben mit dem ICE in einer Dreiviertelstunde rüberrutschen? Das schien machbar. Hin und zurück an einem Tag sogar. Musste man auch gar nicht groß mit Eltern drüber reden, einfach machen.

Inzwischen bringen ICEs die alte Heimat näher. Weil sie deutlich schneller sind als Autos. Kein Stau droht (jetzt kommt mir nicht mit Verspätung. Was ist schlimmer, auf unbestimmte Zeit im Stau sitzen oder 20 Minuten Verspätung im Zug?). Man kann sich entweder voll und ganz (so lange man das durchhält) dem Kind widmen oder, wenn man das Glück hat, allein unterwegs zu sein, Dinge tun, die einem Spaß machen. Lesen. Kaffee trinken. Schlafen. Mütterglück!!

Trotzdem bleibt die Fahrt ermüdend und wenn man versucht, hin und zurück an einem Tag zu schaffen, ist man abends ganz schön geschafft. Aber man gefährdet dabei weder sich selbst noch das Kind auf dem Rücksitz noch andere Mitfahrer, wie das bei sechs bis sieben Stunden Autofahrt der Fall wäre.

Von daher: Ja. Eine eindeutige Verbesserung. Viele Dank, deutsche Bahn.

Freitag, 10. Juni 2016

Judith!

Endlich. Musik für Mütter. Judith Holofernes. Schon bei "Wir sind Helden" gefielen mir die Texte besonders gut, die ja meist auf ihrem Mist gewachsen sind. Oder ihr Künstlername. Könnte ich mich ja reinsetzen, in diese Idee!

Schon bei den Helden klang das Kinderthema an. Und dann auf ihrem Solo-Album haut sie eins nach dem anderen raus. Pechmarie, für die Zeit, wenn die Freunde der Meinung sind, man könnte jetzt auch mal wieder was ohne Kind machen (und man selbst hoffentlich zustimmen kann).

Und Jetzt erst recht (Teil 2) - wie fühlt sich die Liebe nach vielen Jahren an. Dazu gibt es leider sehr wenig Lieder, und dies ist eins, bei dem sehr schön auf die Dialoge gehört würde, die man so manchmal führt als altes Ehepaar: 'Du fragst: "Wie hast Du geschlafen?" ich sag "Weniger als Du" '. Und trotzdem liebevoll. Wie es so ist.

Vom Titel des Albums (Ein leichtes Schwert) gar nicht zu reden. Ich habe keine Ahnung, worum es in dem Text geht. Oder doch, ein bisschen. Kann aber nicht weiter darüber nachdenken, weil ich dann die ganze alleroberste Game-of-Thrones-artige Ebene verlieren würde - und da wäre es auch schade drum.

Dass sie seit letztem Jahr keine Termine mehr macht (Konzerte, Lesungen) ist doch bestimmt ein gutes Zeichen, weil es heißt, dass sie an neuen wunderbaren Songs arbeitet und ich bestimmt mitkriege, wenn sie damit auf Tournee geht, nicht wahr?!

Sonntag, 5. Juni 2016

Was habe ich heute gemacht?

Frau Brüllen sammelt das ja dankenswerterweise immer am 5. jedes Monats, hinter dem Link also jede Menge weiterer Geschichten über 5. Junis 2016.

Bei uns heute so: Gästealarm. Seit Pfingsten weiß ich ja: Ich kann Gastgeber. Während ich das vorher immer nur gern können wollte, hat mich der Besuch von zwei Familien mit zwei Übernachtungen und einigen "Danke, es war schön" überzeugt, dass es wohl doch ganz nett bei uns war.

Von daher heute keine Panik, sondern echte Vorfreude auf zwei Familien (nicht die von Pfingsten), die zum Grillen kommen wollten. Nur ganz kurz leichtes Bedauern, dass der Tag wirklich sehr, sehr voll wird. Weil natürlich die sonstigen profanen Wochenendbeschäftigungen trotzdem anstehen.

Also z.B.
- um zehn den ersten Kurzbesuch zu bekommen, der eine vergessene Jacke abholen will
- Frühstück bis um elf (kennt Ihr eigentlich das Gedicht: Morgens früh um sechs kommt die kleine Hex? Klingt grad ganz ähnlich ..)
- ein bisschen Erwerbstätigkeit bis um zwölf
- die üblichen Ladungen Wäsche bis um eins
- Essenmachen. Hielt sich aber in Grenzen, Salate und Kräuterbutter, den Nachtisch hatte ich in weiser Voraussicht schon gestern angesetzt. Und für Fleisch einlegen etc. bin ich in dieser Familie nicht zuständig - wie angehm!
- Dann tatsächlich Zeit für eine kurze Nachmittagspause, bis die ersten Gäste kamen. Große Freude, denn zum Teil hatten wir uns sehr lange nicht gesehen.

Wegen plötzlich aufziehender Gewitter mussten wir ins Haus fliehen noch bevor das Fleisch gar war und auch hier kam uns unsere Pfingst-Erfahrung (nein, nichts mit In-Zungen-Reden, nur viele Leute zu Besuch haben) zugute. Tischerweiterungen, Stühle, wir wussten genau, was wir brauchten und in welchem Kellerraum wir es finden würden.

Nachtisch gab es dann schon wieder im Garten. Wie immer, wenn Menschen mit kleineren Kindern uns besuchen, innerliche Freude bei mir, wie groß und selbständig meine eigenen Kinder schon sind.

Und jetzt sitz ich hier, höre der prallgefüllten Spülmaschine beim Arbeiten zu und genieße die leichte Müdigkeit eines vollen, schönen Tages.


Wie viele Eltern regieren uns?

Vor einiger Zeit fragte ich bereits, wie viele Kinder eigentlich unsere Bundesregierung hat. Nur mal so aus Interesse.

Der diesjährige Muttertag war Anlass für das Hamburger Abendblatt, ebenfalls mal die Mütter in der Regierung zu zählen. Genau, die Mütter. Am Vatertag gab es keinen entsprechenden Artikel über die Väter. Auch sonst wenig, nur am Muttertag musste mal wieder ausführlich aufgezählt werden, wie das Muttersein in Zahlen sich so darstellt. An Stelle der Väter würde ich mich so langsam doch mal über diese Ungleichbehandlung beschweren, was soll denn das? Ihr seid doch keine Statisten im Leben Eurer Kinder!

Kurz und gut zusammengefasst, was im Abendblatt-Artikel steht: Es gibt in der derzeitigen Regierung mehr Mütter als früher, kinderlos sind bei den Frauen in der Regierung nur noch Frau Merkel die Umweltministerin Barbara Hendricks.

Hier noch mal als Service die komplette Auflistung - inklusive der Männer/Väter. Und ja, genau, als Frau Nahles schwanger war und ein Kind bekommen hatte, überschlug sich die Presse (auch wir berichteten). Als Frau Schwesig neulich ihr zweites Kind bekam, durfte sie viel dazu sagen, wie sie Kind und sehr, sehr anspruchsvollen Beruf vereinbart. Ist Herr Schäuble schon mal gefragt worden, wie er das mit vier Kindern und dieser politischen Karriere schafft? Eine erste Google-Suche brachte keine Ergebnisse. Es bleibt noch viel zu tun!

Angela Merkel (Bundeskanzlerin): kinderlos
Andrea Nahles (Arbeit und Soziales): ein Kind
Ursula von der Leyen (Verteidigung): sieben Kinder
Manuela Schwesig (Familie, Senioren, Frauen, Jugend): zwei Kinder (das zweite kam ja ganz neulich)
Barbara Hendricks (Umwelt, Naturschutz, Bau, Reaktorsicherheit): kein Kind
Johanna Wanka (Bildung und Forschung): zwei Kinder

Die Männer
Sigmar Gabriel (Wirtschaft und Energie, Stellvertreter der Bundeskanzlerin): zwei Kinder
Frank-Walter Steinmeier (Außwärtiges): ein Kind
Thomas de Maizière (Inneres): drei Kinder (hatten wir ja schon)
Heiko Maas (Justiz und Verbraucherschutz): zwei Kinder
Wolfgang Schäuble (Finanzen): vier Kinder (wissen wir auch schon seit 2010)
Christian Schmidt (Ernährung und Landwirtschaft): zwei Kinder
Herrmann Gröhe (Gesundheit): vier Kinder
Alexander Dobrindt (Verkehr und digitale Infrastruktur): ein Kind
Gerd Müller (wirtschaftliche Zusammenarbeit, Entwicklung): zwei Kinder
Peter Altmaier (Kanzleramt): kein Kind

Freitag, 3. Juni 2016

Die richtig guten Antworten ...

... fallen einem natürlich immer erst ein, wenn man lange nach dem Gespräch schon wieder zu Hause ist. Außer man heißt Novemberregen natürlich, die weiß wahrscheinlich nicht mal genau, wovon ich rede, weil ihr Hirn da irgendwie anders arbeitet.

Heute beim Friseur. Alles gut. Friseurin will mir nicht mit Macht ein Gespräch aufdrängen, genau, wie ich das mag. Haare gut geschnitten. Dann Föhnen.

"Wie soll ich sie denn föhnen?" fragt sie tatsächlich. Und mir fällt natürlich nicht ein: "Trocken wär ganz gut".

Sie hat gut geföhnt. Ich musste hinterher fast gar nichts runterstreichen, um den gefühlten Farah-Fawcett-Look zu beheben. Vermutlich möchten andere Menschen, dass man sieht, wenn sie beim Friseur waren. Ich lieber nicht.

Außerdem ist immer ganz viel von "Volumen" die Rede, bei jedem Friseur, bei dem ich bisher war. Meine Haare sind ganz glatt. Da bleibt freiwillig kein Volumen drin. Selbst Haargummis versuchen meinen Haaren zu entkommen, geht ganz leicht, quasi in einem Rutsch.

Außerdem bin ich seit meiner Jugend leicht traumatisiert, was Versuche angeht, Volumen in diese Haare zu bringen. Mit Mühe und Not konnte ich bei jedem Friseurbesuch eine Dauerwelle abwenden. Aber bei der Frisur zur Konfirmation passierte es dann: Haarspray, noch mehr Haarspray, Toupierkamm, und dann noch mal Haarspray, so zur Sicherheit. Es kostete meine Mutter und mich mindestens eine Viertelstunde intensives Ausbürsten und immer noch muss ich lachen, wenn ich die Fotos von damals sehe. Aber gut, das muss ja wohl so sein, bei Konfirmationsfotos.