Ich weiß. Sie haben vielleicht einen Balkon. Vielleicht nicht mal das. Und im Sommer seufzen Sie, dass es jetzt doch schön wäre, im Liegestuhl im Garten zu sitzen. Oder auch mal ein paar Erdbeeren zu pflanzen und zu pflücken.
Tja. Wir haben das. Und es ist, unbenommen, auch wirklich sehr schön. Außer dass die Erdbeeren bei uns letztes Jahr sehr wenige und dazu noch sehr sauer waren. Aber im Garten haben wir wirklich ein paar Mal gesessen. Gegrillt nicht so oft, weil am Wochenende ständig Regen war, Hamburg halt.
Aber bitte, vergessen Sie nicht: Jetzt ist die Zeit, wenn all die Gärtner wieder in ihre Gärtner kriechen. Ja, jetzt. Bei Wind und Kälte. Bei Kompost-Geruch und feuchter, kalter Erde, die sich bis durch die Gartenhandschuhe schiebt. Bei beginnender Nierenbeckenentzündung, weil Pulli und Jacke ständig über den gebeugten Rücken nach oben kriechen wollen. Genau, gebeugter Rücken, gebeugte Knie, immer so lange, wie sie gerade so bis zum Zittern durchhalten.
So. Danke fürs Zuhören beim ersten Gärtnerinnen-Mimimi des Jahres
Dienstag, 21. März 2017
Montag, 20. März 2017
Bin ich käuflich?
Oder wie sonst ist das zu erklären? Erst seit die olle Plastiktüte überall Extra-Geld kostet, schaffe ich es halbwegs regelmäßig, selber eine Tüte oder Tasche zum Einkaufen mitzunehmen.
Und sobald die Krankenkasse ein Vorsorgeprogramm für die Kinder mit Geld unterstützt, schaffe ich es sofort, die Zahnarzttermine abzumachen.
Tja. Geldgieriger als gedacht, was?
Dienstag, 14. März 2017
Unterforderung
Aah, endlich wieder alle Mann zu Hause. Hier sind ja grad Ferien und einige Kinder waren wochen- oder nächteweise nicht da. Nur noch ein Kind in der Wohnung. Wir kennen das schon, es war aber trotzdem wieder sehr ungewohnt still.
Wir kommen total aus dem Rhythmus. Zeit für Wocheneinkauf, aber es ist noch gar nicht alles aufgegessen! Wäsche ist gewaschen und der olle Wäschekorb wird überhaupt nicht mehr voll. Kaum drei Maschinen kriegt man voll in der Woche!
Ich fühle mich unterfordert. Verstehe jetzt besser, weshalb man nach Auszug der Kinder erst mal wieder lernen muss, vernünftige Mengen zu kochen und einzukaufen.
Und jetzt bin ich froh, dass alle wieder da sind, das übliche Chaos herrscht - und ich mir keine Gedanken mehr darüber machen muss, weshalb hier trotz nahezu Kinderlosigkeit nicht das Haushaltsideal "Saubere und ordentliche Wohnung" ausgebrochen ist.
Wir kommen total aus dem Rhythmus. Zeit für Wocheneinkauf, aber es ist noch gar nicht alles aufgegessen! Wäsche ist gewaschen und der olle Wäschekorb wird überhaupt nicht mehr voll. Kaum drei Maschinen kriegt man voll in der Woche!
Ich fühle mich unterfordert. Verstehe jetzt besser, weshalb man nach Auszug der Kinder erst mal wieder lernen muss, vernünftige Mengen zu kochen und einzukaufen.
Und jetzt bin ich froh, dass alle wieder da sind, das übliche Chaos herrscht - und ich mir keine Gedanken mehr darüber machen muss, weshalb hier trotz nahezu Kinderlosigkeit nicht das Haushaltsideal "Saubere und ordentliche Wohnung" ausgebrochen ist.
Dienstag, 7. März 2017
Rollentausch
So langsam, langsam, langsam vollziehen sich die Veränderungen, wenn die Kinder größer werden. Und plötzlich sitzt man gemeinsam im Bus. Sagt: "Oh Mist, ich hab gar kein Taschentuch dabei", und was passiert? Das Kind zieht eine halbvolle Packung aus seiner Tasche (die man ihm nicht mal unbedingt selber eingepackt hat) und gibt einem eins ab. Tja. So schön. Vor allem, wenn man an all die Rotznasen denkt, die man bis im Lauf der Jahre so abgewischt hat.
Dienstag, 28. Februar 2017
Von den Kleinsten lernen
Nächstes Mal, wenn ich mich mit dem Fahrrad hinpacke, pfeife ich auf Erwachsenenkonventionen.
Ich werde NICHT
- sofort wieder aufstehen, das Rad aufheben, so tun, als sei nichts gewesen
- allen, die freundlich fragen, ob alles in Ordnung sei, abwinken "nein, nein, alles klar"
- wie so eine Bekloppte alles wieder zurechtbiegen und mich schnellstmöglich wieder in den Sattel schwingen um weiterzufahren
- abends alle mir lieben Menschen anblaffen, wie schlecht meine Laune ist und darauf schimpfen, dass es in diesem Haushalt keine vernünftigen Fahrräder gibt mit funktionierender Beleuchtung und Bremsen am gewohnten Platz gibt. Und überhaupt, wieso nur ein Auto und das dann immer nicht da, wenn man es mal braucht!
Wobei gerade der Punkt "nicht sofort wieder aufsteigen und losfahren" natürlich schwierig ist, wenn man weiß, dass irgendwo in der Stadt ein Kind auf einen wartet.
Stattdessen werde ich mir ein Beispiel an den lieben Kleinen nehmen und erstmal lauthals losplärren. Oder zumindest mich erst mal hinsetzen und zu mir kommen bevor ich beginne, alles wieder in Ordnung zu bringen, damit nur ja keiner mehr was merkt. Da steht man ja doch ein wenig unter Schock und es hätte auch eine andere Verletzung als die kleine Schürfwunde am Knie sein können. Ich hätte direkt hinterher jedenfalls nicht sagen können, ob es schlimm wehtut oder nur ein bisschen.
Auf jeden Fall hilfreich, alles Gefühle gleich und ausreichend rauszulassen (wobei natürlich schön wäre, wenn ein tröstender Mensch dabei ist), das ist schon gar nicht so verkehrt, was die Knirpse da machen. Deshalb müssen die nämlich später am Abend nicht erst rumtoben und aufgestaute Wut rauslassen. Na ja, meistens jedenfalls nicht.
Ich werde NICHT
- sofort wieder aufstehen, das Rad aufheben, so tun, als sei nichts gewesen
- allen, die freundlich fragen, ob alles in Ordnung sei, abwinken "nein, nein, alles klar"
- wie so eine Bekloppte alles wieder zurechtbiegen und mich schnellstmöglich wieder in den Sattel schwingen um weiterzufahren
- abends alle mir lieben Menschen anblaffen, wie schlecht meine Laune ist und darauf schimpfen, dass es in diesem Haushalt keine vernünftigen Fahrräder gibt mit funktionierender Beleuchtung und Bremsen am gewohnten Platz gibt. Und überhaupt, wieso nur ein Auto und das dann immer nicht da, wenn man es mal braucht!
Wobei gerade der Punkt "nicht sofort wieder aufsteigen und losfahren" natürlich schwierig ist, wenn man weiß, dass irgendwo in der Stadt ein Kind auf einen wartet.
Stattdessen werde ich mir ein Beispiel an den lieben Kleinen nehmen und erstmal lauthals losplärren. Oder zumindest mich erst mal hinsetzen und zu mir kommen bevor ich beginne, alles wieder in Ordnung zu bringen, damit nur ja keiner mehr was merkt. Da steht man ja doch ein wenig unter Schock und es hätte auch eine andere Verletzung als die kleine Schürfwunde am Knie sein können. Ich hätte direkt hinterher jedenfalls nicht sagen können, ob es schlimm wehtut oder nur ein bisschen.
Auf jeden Fall hilfreich, alles Gefühle gleich und ausreichend rauszulassen (wobei natürlich schön wäre, wenn ein tröstender Mensch dabei ist), das ist schon gar nicht so verkehrt, was die Knirpse da machen. Deshalb müssen die nämlich später am Abend nicht erst rumtoben und aufgestaute Wut rauslassen. Na ja, meistens jedenfalls nicht.
Donnerstag, 23. Februar 2017
Ich bin die lebende Snooze-Funktion
Beim Wecken meiner Kinder zumindest bin ich der personifizierte Wecker, der nach ein paar Minuten wiederkommt - und wiederkommt - und wiederkommt, bis das Kind dann aufsteht. Hoffentlich in halbwegs annehmbarer Laune.
Hat eine Weile gedauert, bis ich, Aufsteherin mit dem ersten Weckerklingeln, mich mit dieser Rolle anfreunden konnte. Aber das ist eben einer der Punkte, an dem man akzeptieren muss, dass Kinder Personen mit eigenen Gewohnheiten und Marotten sind. Und eben nicht alle nach dem ersten Anticken wie ferngesteuert aufstehen.
Da war es wie ein Erweckungserlebnis, dass ich nicht wie eine Megäre schimpfend am Bett sitzenbleiben muss, bis das Kind endlich aufsteht. Nein. Einfach weggehen, was sinnvolles in der Küche erledigen (Brote schmieren oder so), wieder zurückgehen. Vielleicht noch mal wiederholen. Also genügend Zeit einplanen. Aber an den meisten Tagen werde ich durch morgendliche Schrei-Freiheit belohnt. Und das ist es mir absolut wert!
Hat eine Weile gedauert, bis ich, Aufsteherin mit dem ersten Weckerklingeln, mich mit dieser Rolle anfreunden konnte. Aber das ist eben einer der Punkte, an dem man akzeptieren muss, dass Kinder Personen mit eigenen Gewohnheiten und Marotten sind. Und eben nicht alle nach dem ersten Anticken wie ferngesteuert aufstehen.
Da war es wie ein Erweckungserlebnis, dass ich nicht wie eine Megäre schimpfend am Bett sitzenbleiben muss, bis das Kind endlich aufsteht. Nein. Einfach weggehen, was sinnvolles in der Küche erledigen (Brote schmieren oder so), wieder zurückgehen. Vielleicht noch mal wiederholen. Also genügend Zeit einplanen. Aber an den meisten Tagen werde ich durch morgendliche Schrei-Freiheit belohnt. Und das ist es mir absolut wert!
Donnerstag, 16. Februar 2017
Nesthäkchen-Autorin Else Ury - in Auschwitz ermordet
Wusstet Ihr das?
Mich traf es heute ziemlich unvorbereitet, als ich durch Berlin wanderte und an einem Haus auf eine Plakette stieß, die daran erinnerte, dass Else Ury hier einmal gewohnt hat.
Natürlich kenne ich ihre Nesthäkchen-Bände. Als Kind in der Dorfbücherei hab ich sie alle gelesen - mehrfach! Über 1 Million Auflage erreichten ihre Nesthäkchen-Bücher von 1920 bis 1933. Sie war eine erfolgreiche Schriftstellerin und ihre Bücher waren beliebt.
1942 erhielt sie den Status "Reichsfeindin". Im Januar 1943 wurde sie direkt nach der Ankunft in Auschwitz in der Gaskammer ermordet.
Ich bin froh, dass ich das jetzt weiß. Ich meine nicht, dass Kinder heutzutage diese Bücher unbedingt lesen müssen, es scheinen ja nicht gerade literarische Meisterwerke zu sein und stark ihrer Zeit und einem bestimmten Mädchen- und Frauenbild verpflichtet. Aber ich bin sehr froh, dass in den letzten Ausgaben anscheinend zumindest die Lebens- und Todesumstände der Autorin genannt werden.
Natürlich kenne ich ihre Nesthäkchen-Bände. Als Kind in der Dorfbücherei hab ich sie alle gelesen - mehrfach! Über 1 Million Auflage erreichten ihre Nesthäkchen-Bücher von 1920 bis 1933. Sie war eine erfolgreiche Schriftstellerin und ihre Bücher waren beliebt.
1942 erhielt sie den Status "Reichsfeindin". Im Januar 1943 wurde sie direkt nach der Ankunft in Auschwitz in der Gaskammer ermordet.
Ich bin froh, dass ich das jetzt weiß. Ich meine nicht, dass Kinder heutzutage diese Bücher unbedingt lesen müssen, es scheinen ja nicht gerade literarische Meisterwerke zu sein und stark ihrer Zeit und einem bestimmten Mädchen- und Frauenbild verpflichtet. Aber ich bin sehr froh, dass in den letzten Ausgaben anscheinend zumindest die Lebens- und Todesumstände der Autorin genannt werden.
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