Juchhu. Endlich. Kultur für die Kinder. Nehme ich mir seit Jahren vor. Zur Verdeutlichung: Als ich nur ein Kind hatte, sah ich mir die Kinderführungen in diversen Museen an und war etwas enttäuscht, wenn die erst ab vier Jahren waren (Übermutter Ich hätte gern schon dem Dreijährigen eine Prise Kutlur gegönnt). Und kaum hat man dann zwei, drei, also ganz viele Kinder, schon kommt man zu gar nichts mehr und der letzte Museumsbesuch (Altona, mit "Kinderolymp", empfehlenswert ab 6 Jahre, würde ich sagen) ist bestimmt schon an die drei Jahre her und war mit reichlich Fluchen über "nie wieder mit dem Auto" verbunden.
Nun also die Ausstellung Game Masters (leider seit dem 23. April vorbei), die mich schon seit Monaten anlachte, wann immer ich am Hauptbahnhof vorbei kam. Denn welches Museumsthema ist dankbarer für Kinder als Konsolen- und Arkaden-Spiele?
Tatsächlich wenige, würde ich sagen. Wir haben uns ganz behutsam auf den Weg gemacht und sind noch durch ein paar andere Räume gegangen, bevor wir im obersten Stock in der Games-Ausstellung landeten. Dabei stießen wir auf Schätze wie die Sammlung alter Instrumente und islamischer Kunst. Man ist ja schon froh, wenn man heutzutage auf mal auf eine Darstellung des Islam ohne jeglichen Bezug zu Gewalt und Islamismus stößt. Bester Fund dort: Comics von Tuffix
Bei den Game Masters dann schön Lärm und Dunkel wie in einer Spielhalle (nicht, dass wir damit viel Erfahrung hätten). Super Mario, yeah, was für eine Freude, wenn die Kinder im Museum mal was aus ihrer Lebenswelt wiedererkennen. Man konnte alle Spiele ausprobieren (während wir in den anderen Räumen immer sehr engmaschig von Museumsangestellten überwacht wurden. Verständlich, da meine Kinder dazu neigen, mit dem Finger auf Dinge zu zeigen, die sie spannend finden - mit sehr wenig Abstand zum Gegenstand).
Dann (für mich) der Höhepunkt: Die Arcade-Spiele-Sammlung. Und ohne, dass man Kleingeld einstecken musste. Allerdings habe selbst ich die Hoch-Zeit dieser Art Spiele wohl verpasst und meinen Kindern erschlossen sie sich auch nur, weil wir schon ein bis zwei Mal den Film "Ralf reicht's" geschaut hatten. Die erklärenden Tafeln neben den Spielen (wer, was, wann, welche bahnbrechenden Neuerungen steckten dahinter, die bald von allen anderen kopiert wurden) habe vermutlich hauptsächlich ich gelesen.
Aber schön war's doch. Es braucht nur wieder ein viertägiges Wochenende, damit ich wieder genügend Energie habe, um alle zu so einem kulturellen Hochgenuß zu schleppen. Wir sehen uns nächste Ostern!
Donnerstag, 27. April 2017
Mittwoch, 26. April 2017
Nicht lang schnacken ...
An dieses inoffizielle Motto Norddeutschlands fühlte ich mich erinnert, als ich in der NZZ las, wie einfach es ist, über Dinge ewig rumzudenken, statt sie einfach mal in Angriff zu nehmen. Die besten Ideen kommen dem Schriftsteller beim Schreiben, der Unternehmer muss unternehmen, und nicht nur darüber nachdenken.
Der Autor Rolf Dobelli (ach guck, von dem hab ich doch schon Bücher gesehen) nennt es den "Punkt des maximalen Grübelns", ab dem das weitere Nachdenken keinen weiteren Erkenntnisgewinn mehr verspricht, sondern vermutlich eher Zaudern ist.
Das ist vermutlich der Ansporn, den ich gerade brauche. Wobei ich nicht versäumen möchte, das Loblied des Zauderns und Abwartens zu singen. Manchmal ist man einfach noch nicht so weit. Vielleicht gedanklich/intellektuell schon, aber gefühlsmäßig, seelisch noch lange nicht. Und dann kann abwarten eine absolut notwendige Option sein.
Aber manchmal natürlich auch nicht.
Nachtrag: Ach guck, der Link dazu kam aus dem Beifang bei Buddenbohms - Ehre, wem Ehre gebührt
Der Autor Rolf Dobelli (ach guck, von dem hab ich doch schon Bücher gesehen) nennt es den "Punkt des maximalen Grübelns", ab dem das weitere Nachdenken keinen weiteren Erkenntnisgewinn mehr verspricht, sondern vermutlich eher Zaudern ist.
Das ist vermutlich der Ansporn, den ich gerade brauche. Wobei ich nicht versäumen möchte, das Loblied des Zauderns und Abwartens zu singen. Manchmal ist man einfach noch nicht so weit. Vielleicht gedanklich/intellektuell schon, aber gefühlsmäßig, seelisch noch lange nicht. Und dann kann abwarten eine absolut notwendige Option sein.
Aber manchmal natürlich auch nicht.
Nachtrag: Ach guck, der Link dazu kam aus dem Beifang bei Buddenbohms - Ehre, wem Ehre gebührt
Dienstag, 25. April 2017
Ikigai - das Leben im Gleichgewicht
Neu entdeckt (über Sprechblase): Das Konzept "Ikigai" (japanisch) für Freude am Leben, Lebenssinn, wofür es sich lohnt, morgens aufzustehen.
Hier ein deutsch beschriftetes Bild.
Quelle: http://dxnganodermakaffee.at/dxn/ikigai
Natürlich sehr idealisiert. Beim Blog Sprechblase sieht man noch mal, was angeblich an den Überschneidungen passiert, wo sich "nur" drei der Bereich treffen, aber nicht alle vier (auf Englisch). Bei der Schnittmenge zwischen Berif und Berufung also: "Gefühl der Leere" - weil ich es nicht unbedingt gern mache/liebe, was ich tue.
Fraglich ist natürlich, ob man diesen Idealzustand tatsächlich erreichen kann. Und ob man ihn erreichen "muss", um sich ausgefüllt zu fühlen. Vielleicht kann man es ja auch aufteilen und "Beruf" und "Mission" getrennt leben zum Beispiel.
Für mich auf jeden Fall gerade eine wertvolle Anregung.
Hier ein deutsch beschriftetes Bild.
Quelle: http://dxnganodermakaffee.at/dxn/ikigai
Natürlich sehr idealisiert. Beim Blog Sprechblase sieht man noch mal, was angeblich an den Überschneidungen passiert, wo sich "nur" drei der Bereich treffen, aber nicht alle vier (auf Englisch). Bei der Schnittmenge zwischen Berif und Berufung also: "Gefühl der Leere" - weil ich es nicht unbedingt gern mache/liebe, was ich tue.
Fraglich ist natürlich, ob man diesen Idealzustand tatsächlich erreichen kann. Und ob man ihn erreichen "muss", um sich ausgefüllt zu fühlen. Vielleicht kann man es ja auch aufteilen und "Beruf" und "Mission" getrennt leben zum Beispiel.
Für mich auf jeden Fall gerade eine wertvolle Anregung.
Samstag, 22. April 2017
Was ist "Survivorship Bias"?
Das ist genau das, worüber ich neulich schrieb: Weshalb kaum Artikel erscheinen über all die erfolglosen Autoren, Musiker, Unternehmer. Und weshalb übersehen wird, wie groß das Risiko des "Scheiterns", oder zumindest des "keinen übermäßigen Erfolg"-Habens in Wirklichkeit ist.
Hier im Comic gut dargestellt: Würde man wirklich einem Lotto-Gewinner glauben, der sagt: "Du musst an Dich glauben. Du darfst einfach nie aufhören, Lose zu kaufen, und dann, eines Tages, gewinnst DU das große Los"? Hm, nee, von Wahrscheinlichkeitsrechnung haben die meisten dann doch schon mal gehört, da stimmt doch irgendwas nicht, kann man ja gar nicht beeinflussen, das Losglück.
Aber allen möglichen "Motivational Speakers", Ted(X)-Rednern und ähnlichen nehmen wir das ab? "Tu, was Du liebst, und Du wirst erfolgreich sein - denn mir ist es auch gelungen"?
Lieber noch mal nachdenken.
Hier im Comic gut dargestellt: Würde man wirklich einem Lotto-Gewinner glauben, der sagt: "Du musst an Dich glauben. Du darfst einfach nie aufhören, Lose zu kaufen, und dann, eines Tages, gewinnst DU das große Los"? Hm, nee, von Wahrscheinlichkeitsrechnung haben die meisten dann doch schon mal gehört, da stimmt doch irgendwas nicht, kann man ja gar nicht beeinflussen, das Losglück.
Aber allen möglichen "Motivational Speakers", Ted(X)-Rednern und ähnlichen nehmen wir das ab? "Tu, was Du liebst, und Du wirst erfolgreich sein - denn mir ist es auch gelungen"?
Lieber noch mal nachdenken.
Freitag, 21. April 2017
Eine meiner Stärken
Neben der Superkraft, meine Bücherhallen-Kundennummer auswendig zu wissen (sehr wichtig, um problemlos online verlängern zu können) bin ich auch sehr gut darin, gute Bücher mir noch unbekannter Autoren aus dem Regal in der Bücherei zu fischen. Ein Grund, weshalb ich noch nicht (viel) elektronisch lese: Dort geht das nicht oder erheblich schwieriger als vor der physischen Bücherwand.
Mein letzter Fang:
"Capital" von John Lanchester ("Kapital" auf Deutsch). So toll geschrieben. So viele Hauptpersonen, ohne dass man durcheinander kommt! Kurz überlegt man: Wer war jetzt schon wieder dieser Parker und schon gibt der Autor einen dezenten Hinweis, und man ist wieder voll drin. Die volle Breitseite London wird hier gezeigt, mit den irrsinnigen Häuserpreisen und der Bankenkrise als Hintergrundgeschichte. Und es sind alle dabei: Schwarze, Weiße, Einwanderer, Ur-Engländer, Männer, Frauen. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Griff. Und Herr Lanchester hat noch mehr Bücher geschrieben (und viele kluge Dinge über die Wirtschaftswissenschaften und das Finanzwesen), da hab ich also noch mehr, um gezielt zuzugreifen und mich drauf zu freuen.
Ach so: Wer das mit den Büchern nicht so gut kann wie ich :-), für den haben die Bücherhallen den "Libromat" entwickelt, ein Online-Tool, dass Dir Vorschläge macht. Sagt gern Bescheid, ob das was taugt.
Mein letzter Fang:
"Capital" von John Lanchester ("Kapital" auf Deutsch). So toll geschrieben. So viele Hauptpersonen, ohne dass man durcheinander kommt! Kurz überlegt man: Wer war jetzt schon wieder dieser Parker und schon gibt der Autor einen dezenten Hinweis, und man ist wieder voll drin. Die volle Breitseite London wird hier gezeigt, mit den irrsinnigen Häuserpreisen und der Bankenkrise als Hintergrundgeschichte. Und es sind alle dabei: Schwarze, Weiße, Einwanderer, Ur-Engländer, Männer, Frauen. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Griff. Und Herr Lanchester hat noch mehr Bücher geschrieben (und viele kluge Dinge über die Wirtschaftswissenschaften und das Finanzwesen), da hab ich also noch mehr, um gezielt zuzugreifen und mich drauf zu freuen.
Ach so: Wer das mit den Büchern nicht so gut kann wie ich :-), für den haben die Bücherhallen den "Libromat" entwickelt, ein Online-Tool, dass Dir Vorschläge macht. Sagt gern Bescheid, ob das was taugt.
Donnerstag, 20. April 2017
Und passend zum Thema "was ist mit der Jugend"
Als hätten sie mich gehört, hat Edition F einen Artikel veröffentlicht, der meinen Punkt vom letzten Mal unterstreicht: Eine immer größere Mehrheit von Alten macht das Leben für Kinder und junge Menschen schwieriger und für uns alle unlebendiger, starrer, konservativer.
Das ist ein Grund, weshalb es so schwierig ist, ausreichend Ressourcen dahin zu stecken, wo es am meisten Früchte tragen würde - an den Anfang des Lebens.
Wie sagt es Wolfgang Gründinger in dem Interview so schön:
"Deutschland ist ein Land, das längst vergangene Stadtschlösser wieder aufbaut und gleichzeitig Jugendclubs schließt; das über Nacht zig-milliardenschwere Rentenpakete schnürt, aber zugleich Förderprogramme für Kitas auf Eis legt, weil angeblich die Kassen leer sind; das Umgehungsstraßen baut, aber beim Ausbau von Glasfaser-Internet auf der Stelle tritt; dessen Schüler Latein und Altgriechisch lernen müssen, nicht aber Programmieren und Informatik; kurzum: das in der Vergangenheit schwelgt statt von der Zukunft zu träumen."
Das ist ein Grund, weshalb es so schwierig ist, ausreichend Ressourcen dahin zu stecken, wo es am meisten Früchte tragen würde - an den Anfang des Lebens.
Wie sagt es Wolfgang Gründinger in dem Interview so schön:
"Deutschland ist ein Land, das längst vergangene Stadtschlösser wieder aufbaut und gleichzeitig Jugendclubs schließt; das über Nacht zig-milliardenschwere Rentenpakete schnürt, aber zugleich Förderprogramme für Kitas auf Eis legt, weil angeblich die Kassen leer sind; das Umgehungsstraßen baut, aber beim Ausbau von Glasfaser-Internet auf der Stelle tritt; dessen Schüler Latein und Altgriechisch lernen müssen, nicht aber Programmieren und Informatik; kurzum: das in der Vergangenheit schwelgt statt von der Zukunft zu träumen."
Dienstag, 18. April 2017
Für immer jung - wollen wir das?
Schon wieder die ZEIT: wissenschaftliche Fortschritte beim "Kampf" gegen das Altern. Also wir sollen immer älter werden können und dabei möglichst nicht so krank werden. Angeblich gibt's da grad ein paar vielversprechende Entwicklungen.
Das mag ja sein. Und niemand - auch ich nicht - sagt vermutlich von sich: Ich freu mich aufs Sterben. Oder: Ich will dann mal abtreten.
Aber die Konsequenzen ("bedenke das Ende"): Wollen wir das wirklich? Ist die Gesellschaft nicht schon alt genug? Es werden ja nicht mehr Kinder geboren, schon jetzt kommen viele nicht mehr mit der Lebendigkeit, der Geschwindigkeit, und ja, auch der Lautstärke von Kindern und jungen Leuten zurecht. Wie soll das erst werden, wenn die Älteren noch viel mehr in der Mehrheit sind? Und will ich das dann wirklich, im kollektiven Altersheim Deutschland sitzen, meinen Cappuccino im Sonnenschein schlürfen und "ts ts ts" machen, wenn ein paar Kids auf Inlinern vorbeirollern und dabei lautstark rumalbern?
Das mag ja sein. Und niemand - auch ich nicht - sagt vermutlich von sich: Ich freu mich aufs Sterben. Oder: Ich will dann mal abtreten.
Aber die Konsequenzen ("bedenke das Ende"): Wollen wir das wirklich? Ist die Gesellschaft nicht schon alt genug? Es werden ja nicht mehr Kinder geboren, schon jetzt kommen viele nicht mehr mit der Lebendigkeit, der Geschwindigkeit, und ja, auch der Lautstärke von Kindern und jungen Leuten zurecht. Wie soll das erst werden, wenn die Älteren noch viel mehr in der Mehrheit sind? Und will ich das dann wirklich, im kollektiven Altersheim Deutschland sitzen, meinen Cappuccino im Sonnenschein schlürfen und "ts ts ts" machen, wenn ein paar Kids auf Inlinern vorbeirollern und dabei lautstark rumalbern?
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