Sonntag, 11. August 2013

"Mein Hals ist trocken."

"Und, soll ich Dir reinspucken?" Für jede Kinderfrage eine liebevolle elterliche Antwort.

Führen andere Familien eigentlich auch solche Gespräche wie wir? Vermutlich schon, oder? ODER?

"Wenn Du alt bist, kriegst Du dann auch einen Schnuller?" (Hintergrund: Wir sehen öfter eine alte Dame, die im Rollstuhl sitzt und einen Schnuller im Mund hat)

"Klar. Den besorgst Du mir dann. Und Du schiebst meinen Rollstuhl. Du bist ja das älteste Kind, Du musst Dich dann um mich kümmern. Papa ist dann ja schon tot." (Sorry, dafür spricht das Geburtsjahr und die Statistik.)

"Na gut. Und dann steuer ich den Rollstuhl. Oder Du nimmst einen elektrischen, dann hab ich das nicht so schwer."

Der Vater schaltet sich ein: "Oder einen elektrischen, den DU dann mit Fernsteuerung steuern kannst. Und dann fährst Du mit dem Bus und Mama mit dem Rollstuhl hinterher und Du steuerst das durch das Rückfenster vom Bus."

Genau wie ich mir mein Alter immer vorgestellt habe!

Freitag, 9. August 2013

Die Zeit rennt - manchmal muss man sich zwingen, zu genießen

Ein etwas süßlicher Artikel der Huffington Post zum Thema: Nicht dauernd die Kinder drängen, alles schneller und im Erwachsenen-Tempo zu machen. Dazu hatte ich ja selbst kürzlich erst wieder geschrieben. Wie schwer es ist, vom Tempo der Welt der "Großen" auf die Kleinen umzuschalten.

Und heute abend wieder. Wie lange wird das Kind noch danach verlangen, dass ich noch mal ins Zimmer komme, ein Gutenachtlied singe und einen Kuss gebe? Eben. Dann lieber vom Sofa aufstehen, und sei es mit einem leichten Seufzer (weil man dachte, das "ins-Bett-Bringen" hätte man für diesen Abend schon erledigt) und genießen.


Dienstag, 6. August 2013

Schlafnomaden

Kinderzimmer mit Stockbetten, Elternschlafzimmer, Schlafsofas - quasi endlose Möglichkeiten, mal die Betten zu tauschen. Denken anscheinend alle außer mir. Mal schlafen alle Kinder in einem Zimmer, mal mischt sich der Mann irgendwo darunter. Dann wieder muss ich mein eigenes Bett zurückerobern und ein schlafendes Kind wegtragen.

Nur ich bevorzuge die gute (meine!) Uraltmatratze mit der Schwangerschaftskuhle - von den vergangenen Schwangerschaften, nicht, was Ihr jetzt wieder denkt! Gemütlich. Bequem. Bestes Bett von Welt.

Sonntag, 4. August 2013

Bildungsbürger, wir


Im Frühjahr waren wir beim Kinderkonzert der Hamburger Symphoniker. Na ja, eigentlich könnte man es Erzählstunde mit Orchester nennen. War schön. Und die Tochter war ganz beeindruckt von den Räumlichkeiten (Laeiszhalle): "Guck mal, roter Teppich, wie bei einem König". Genau. Und auch so viel Gold und Schnörkelkram an den Wänden.
Eine Konzerthalle mit mehrheitlich Kindern besetzt. War schon schön. Und wir waren unter uns. Die Bildungsbürger mit Geld. Bin froh, dass die Symphoniker ihren Bildungsauftrag sehr ernst nehmen und auch im Bürgerhaus in Wilhelmsburg zu finden sind. Denn die Wilhelmsburger finden den Weg nicht so leicht zum Johannes-Brahms-Platz in das Haus mit Blattgold. 

Montag, 29. Juli 2013

Sprechen lernen

Kein Wunder, dass das kleine Kind denkt, die reguläre Art, eine Vergangenheit zu formen, wäre "en". Also "ich hab geduschen", alle ihre üblichen Verben enden auf diese Art: Getrunken, Geschlafen, Getragen.

Nur woher "Gebringt" kommt, erklärt das auch wieder nicht

Samstag, 27. Juli 2013

Zeitempfinden

Ein Kind hat wahnsinnig viel Zeit und keine Eile. Philosophisch betrachtet sind das sehr lobens- und nachahmenswerte Eigenschaften. Im täglichen Leben, in dem man hin und wieder etwas schaffen will, wird es zur Herausforderung, zwischen den verschiedenen Zeiterfahrungs-Ebenen hin- und herzuspringen, die zwischen den Zeiten ohne Kind und im Beruf und in den Zeiten mit Kind herrschen

Beispiel: Ein stinknormaler Tag
An der Arbeit erledigt man alles so schnell wie möglich, denn es ist immer mehr zu tun, als man schafft. Auf dem Weg zur S-Bahn ist Stechschritt angesagt, weil man zwar eigentlich drei S-Bahnen zur Auswahl hat, mit denen man pünktlich zum Kindergarten kommt. Uneigentlich nimmt man aber fast immer die letzte, mit der man es gerade so noch schafft.

16.20 Uhr Ankunft im in der Kita. Im Sommer der große Vorteil, dass man sich selber nicht erst mal aus den Wintersachen pellen muss, um im warmen Gruppenraum nicht in Winterjacke vor Hitze zu vergehen und dadurch ungeduldig(er als nötig) zu werden.

16.25 Uhr: Kind begrüßen. Erzieherin begrüßen. Manchmal ist es gut, wenn man Zeit hat, um sich hinzusetzen, dem Kind ein paar Minuten zuzuschauen, bevor es mitkommt. Wenn man es an solchen Tagen eilig hat, geht es nämlich nur mit Geschrei, das Kind aus seinem Versteck zu holen. Aber wenn man Zeit hat, kommt es irgendwann meist von alleine mit. Und manchmal läuft es auch einfach auf Dich zu, springt Dir in die Arme und will sofort los. Planen lässt sich das aber nicht.

16.30 Uhr: Beginn des Anziehens. Kind ist alt und geschickt genug, um sich selber anzuziehen. Die Erzieherinnen haben auf dem Elternabend extra noch mal darum gebeten, den Kindern die notwendige Zeit dafür zu geben, damit sie es üben. Kann man irgendwie einsehen. Zehrt aber trotzdem an den Nerven. Rechnen Sie im Winter mindestens 10 Minuten mehr, wenn Handschuhe, Mütze und Schal im Spiel sind, eventuell noch ein Schneeanzug.

16.40 Uhr: Heimweg. Oh, eine tote Ameise. Balancieren - drei Mal im Kreis um die Blumenrabatte, bis der Mutter kleine Rauchwölkchen aus den Ohren kommen, weil sie wirklich, wirklich nach Hause möchte. Da saß doch sonst immer die Katze. Das Auto ist blau. Das Auto ist grau. Das Auto ist dunkelgrün

16.50 Uhr: Ankunft zu Hause

Zusammengefasst: 30 Minuten zum Abholen und nach Hause kommen. Allein hätte ich von der S-Bahn 10 Minuten gebraucht. Wenn ich einen erwachsenen Freund abgeholt hätte, vielleicht 20. Manchmal kann ich es genießen und mich darauf einlassen. Manchmal regnet es und ich habe keinen Schirm und möchte wirklich, wirklich nach Hause.

Sonntag, 7. Juli 2013

Nach der Brut

Wie bereits angedeutet, kümmere ich mich gerade darum, mein Leben jenseits des Familienkokons wiederzuentdecken. Die Telefonliste aufzumöbeln. Die Möglichkeiten der Großstadt nutzen, die ich das letzte Mal mit meinem Mann kurz vor der Geburt meines ersten Kindes ausprobiert habe.
Im Mamablog steht, dass das normal ist. Puh, Glück gehabt. Aber warum fällt es mir trotzdem so schwer, mir einzugestehen, dass ich mich ein bisschen arg ins Familienleben zurückgezogen habe?
Gute Vorsätze - und erste Umsetzungen (nicht Umsätze): Nicht zu allen Kinderterminen hinrennen. Das Turn-Kaffee-Trinken kann man sich auch mal schenken. Guter Tipp vom befreundeten Vater: Auch mal was kaufen, nicht alle Kuchen selber backen. Recht hat er. Schwer fällt es trotzdem.
Termine einstampfen, mindestens so viel eigene Termine wie Kindertermine machen!
Weniger Erwerbsarbeit. Geht nicht bei jedem. Weiß auch noch nicht, wie lange das geht. Aber im Moment ist das sehr entlastend.