Montag, 14. April 2014

Wie schwer ist ein Nilpferd?

Das Kind bringt eine Textaufgabe mit nach Hause. Eine Tabelle mit den Gewichten eines Nilpferds, jeweils einmal im Jahr gewogen. "Wie viel Kilogramm hat das Nilpferd im Jahr zugenommen?" Genau. Genau dieses Kind. Ich hätte da eine Alternativaufgabe:
Eine Wiegekarte mit den wöchentlichen Wiege-Ergebnissen für ein Baby, aus einer ungenannt bleiben wollenden Mütterberatungsstelle in einer großen norddeutschen Stadt.

- Berechne die wöchentliche Gewichtszunahme des Babys. Bedenke dabei, dass die offiziell gewünschte Gewichtszunahme bei 100 bis 200 Gramm in der Woche liegt. Wenn Deine Berechnung ergibt, dass die Zunahme über mehrere Wochen hinweg jeweils nur bei 80, 60 oder gar 40 Gramm liegt:
Wie viele Wochen, bis die Mutter in Anbetracht der Tatsache, dass das Baby offensichtlich gesund und munter ist, den Mut aufbringt zu sagen: "Ich geh einfach nicht mehr hin zum Wiegen"?

Wie gut, dass sie irgendwann größer werden. Und dass das mütterliche Nervenkostüm nicht mehr ganz so blank liegt wie in der ersten Baby-Zeit.

Donnerstag, 3. April 2014

Großstadt?

Die Sonne scheint. Das Glockenspiel - so ein richtiges, mit dicken Glocken an einer Hauswand - spielt ein Lied, das irgendwie bekannt klingt. Es könnte ... könnte, ja, tatsächlich, das soll doch "Blowing in the wind" sein! Fehlt zwar ab und an ein Ton, aber wer weiß, vielleicht haben die Tauben die ein oder andere Glocke zugek...

Danach der Drehorgelspieler. "Living next door to Alice". Wo bin ich denn hier? Dass muss Großstadt sein.

Donnerstag, 6. März 2014

Liebster Blog-Award - endlich die Antworten

Momatka von Mutter&Mensch war so nett, mich für als einen ihrer kleinen Lieblingsblogs (Liebster-Blog-Award) zu nominieren. Und nun, nach, hüstel, etwas über einem Monat, möchte ich ihr zeigen, dass ich mich sehr darüber gefreut habe und endlich ihre 11 Fragen, die dazugehören, beantworten.

1. Tee oder Kaffee – und wie ist der Suchtfaktor?
Tee, definitiv. Nicht wahllos, aber es gibt kaum Sorten, die ich nicht mag (Kamille, ürgs). Nach Kindheitsverirrungen inzwischen alle, wenn sie gut gemacht sind, ohne Zucker. Kaffee: Das liegt bei uns in der Familie, mit dem bitteren Geschmack hat schon meine Mutter erst ab 30 leben können. War bei mir ähnlich. Mit viel Milch (-schaum) und Zucker - aber dann ist der Kaffee ja quasi ein Nachtisch. Suchtfaktor bei beidem mäßig.

2. Gehörtest du in der Schule zu den coolen Kids oder warst du Außenseiter?
Zu den netten Strebern, würde ich sagen. Davon gab es zum Glück ein paar in meinem Jahrgang, so dass wir uns nicht wirklich als Außenseiter gefühlt haben.

3. Was möchtest du unbedingt gesehen haben in deinem Leben?
Eigene Enkelkinder! Weshalb setze ich wohl so viele eigene Kinder in die Welt? Irgendwann möchte ich bitte diese komfortable "das Baby gehört zur Familie, aber ich kann es, wenn es schreit, einfach seinen Eltern in den Arm drücken" Gefühl haben!

4. Hast du mal in einer WG gelebt und wie fandst du es?
Lange. 7 Jahre. War gut. Bis es nicht mehr gut war. Und dann war es sowieso schon zu Ende. Jetzt genieße ich es, mich nur noch mit meiner eigenen Familie auf ein gemeinsames Toleranzniveau, was Schmutz angeht, einigen zu müssen. Vielleicht später mal wieder, als Alters-WG, wenn man sonst vereinsamt, aber im Moment fehlt mir das WG-Leben nicht.

5. Buchladen, Boutique oder Ap*lestore –wo findet man dich?
Apple eher nicht, meine Ausstattung kommt von "den anderen". Boutique ... würd ich gern, aber so richtig meins ist es nicht. Buchladen, oh ja. Oder Bücherei!

6. Worin bist du richtig schlecht?
Grünpflanzen in der Wohnung überleben lassen. Eine Aralie hält sich tapfer, aber selbst eine Wasserlilie haben wir hier um die Ecke gebracht, und die sind eigentlich unkaputtbar.

7. Worin bist du richtig gut?
Im Klugscheißen :-)

8. Mit welchem Job hast du dein erstes Geld verdient?
Regale-Einräumen im lokalen Edeka. Mei, war das schlecht bezahlt. Der einzige Job, zu dem mir die Beziehungen meiner Eltern verholfen haben (Mama kannte den Marktleiter)

9. Mit welchem Blogger würdest du dich gerne mal auf ein Heißgetränk treffen?
Och, prinzipiell finde ich alle auf meiner Blog-Roll interessant. Andererseits bin ich nicht so gut im fremde-Leute-kennenlernen, wäre also vermutlich zu schüchtern.

10. Wenn du aufgefordert wirst, einen Schwank aus deiner Jugend zu erzählen, was erzählst du dann?
Hm. Vielleicht, dass mein Kinderzimmer 6 Quadratmeter groß war und dass es in Deutschland eine Vorschrift gibt, dass selbst Hundezwinger größer sein müssen.

11. Was hast du in den letzten zwölf Monaten zum ersten Mal gemacht?
Spiele-Apps entdeckt! Subway Surfers, Candy Crush, Pou, ... Ich red mir natürlich ein, dass ich das alles nur mache, um mit meinen Kindern mitreden zu können. Ach, wem mach ich was vor, ...

Diesen Award werde ich leider nicht weitergeben können (fieses Schneeballprinzip!). Ich bin voll konformistisch in meiner Blog-Auswahl, die haben bestimmt alle mehr als 200 Follower. Ich nicht, nur falls jemand fragt :-)

Montag, 3. März 2014

Vorahnung

Das Kind ist nachmittags vor Erschöpfung eingeschlafen. Trotzdem abends freiwilllig und ohne volles Ausreizen des Verzögerungsprogramms ("Will noch was trinken", "muss noch mal aufs Klo") ins Bett gegangen und schnell eingeschlafen. Die Erfahrung nach mehreren Kindern lehrt uns, dass wir jetzt schon mal besser den Paracetamol-Saft bereitstellen sollten.

Sonntag, 16. Februar 2014

Bei Akademikers zu Hause ...

... das ist definitiv nicht bei uns. Ich lese ja gern Artikel, die Einblicke geben, wie andere Menschen ihren Alltag leben. Und staune, wie viele Variationen man da entdecken kann. In letzter Zeit vielen mir einige Beispiele auf, wie die Tisch- und Alltagsgespräche in Akademikerfamilien so ablaufen. Also wenn Kinder vorhanden sind, wenn nicht, gehe ich natürlich davon aus, dass ein Zitat von Rousseau das mindeste ist, was jede Unterhaltung ziert.

Also bei Karaseks. Opern werden geträllert, Osso Buco gekocht, Theateraufführungen aus den 70ern zitiert. Und genauso am Samstag im Abendblatt, in der Kolumne "Mein perfekter Sonntag": Die Kinder und Eltern führen angeregte Tischgespräche, in denen unter anderem geklärt wird, wie Blindenfußball funktioniert. Einen Fernseher gibt es seit 15 Jahren nicht mehr (so etwas kann ich meinen Kindern gut erzählen, um sie zu erschrecken).

An solchen Punkten meldet sich mal wieder mein schlechtes Gewissen. Wie wenig Gelegenheiten ich nutze, um meinen Kindern, so ganz beiläufig, mal was zu erklären. Mein Gott, die wissen doch noch GAR NIX! Währungsunion, Eurokrise, Hauptstadt vs. Land vs. Bundesland (was ist was, was hat welche Größe, was befindet sich in welchem anderen), so viele Gelegenheiten, so wenig Lust, mich immer in die Erklärschlacht zu stürzen.

Aber immerhin, unseren Spaß haben wir bei unseren Essensunterhaltungen auch. Wenn wir über den Imbiss-Namen "Köz Patara" diskutieren, unser eigenes Restaurant planen und die Tochter es bitte "arataP zöK" nennen möchte. Aratap Zök, das ist mein Humor, ich lieg unterm Tisch! So einfach sind die nicht-intellektuellen Freuden.

Patara übrigens hier. Und "Köz" laut Türkisch-deutschem Wörterbuch: Glut, glimmende Asche. Na ja, gab Fleisch vom Grill.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Antolin - unsere Meinung

Antolin - für alle, die das nicht kennen - ist ein System, dass Schulkinder zum Lesen bringen soll.

Der Lehrer meldet die Kinder seiner Klasse dazu an, man erhält Zugangsname und Passwort zu antolin.de und dort können die Kinder Punkte sammeln, indem sie Multiple Choice Tests zu vielen verschiedenen Büchern machen können. Man kann bei bestimmten Punkteständen Urkunden ausdrucken. Oder der Lehrer gibt am Schuljahresanfang vor, wie viele Punkte erreicht werden sollen.

Positiv:
- Es sind wirklich viele Bücher vertreten (auch wenn Wikipedia zu bedenken gibt, dass gerade ältere Bücher dort nicht zu finden sind).
- Auch Comics sind dabei, wir haben schon Carl Barks' Donald Duck dort gefunden. Eingruppiert als Antolin 1, also für die erste Klasse.  Aber Comics waren grad sehr beliebt bei den Kindern, da ist es doch schön, dass man die dort alle wiederfindet und nicht als "Schund" ausgesondert
- Bei unserer Stadtbücherei sind die Bücher schon auf dem Buchrücken ausgezeichnet mit "Antolin 2" etc. (die Zahl gibt das Schuljahr an, für das die Bücher ungefähr geeignet sind von der Leseschwierigkeit her).

Negativ:
- Offen für eine gewisse Manipulation. Zwar sagte mal eine Lehrerin dazu, man solle die Bücher nicht vorlesen. Aber das Schlupfloch "CDs" hat mein Kind ganz alleine entdeckt. Auch zu Geschichten, die man auf CD gehört hat ("Magisches Baumhaus" usw.), kann man die Fragen beantworten, solange Buch und Hörbuch übereinstimmen. Außerdem kann man, wenn man die Klasse und damit eventuell den Nutzernamen wechselt - alle Bücher erneut "machen".
- Es benachteiligt natürlich (mal wieder, muss man leider sagen) alle Kinder, die keinen einfachen Zugang zu Computern und Internet haben. Und das sind auch heutzutage immer noch einige und oft gerade die, die von zusätzlicher Leseförderung besonders profitieren würden. Natürlich gibt es in Büchereien kostenlosen Zugriff auf Antolin. Aber auch da muss man ja erst mal hinkommen. Ich hoffe, dass in der Klasse genügend Zeit ist, den Klassencomputer dafür zu nutzen, aber unfair ist es natürlich trotzdem
- Wie auch Wikipedia anmerkt: Leidet vielleicht die intrinsische Motivation zu Lesen? Man liest nur noch, um Punkte zu sammeln, aber nicht, weil man gern liest? Diesen Punkt verstehe ich, es bleibt aber die Frage nach der Alternative. Wenn es kein Antolin gäbe, läse dann das Kind alle Bücher sowieso, eben auch die alten, nicht dort erfassten (die Klassiker scheinen mir ganz gut vertreten, zum Beispiel die gesamte Astrid Lindgren). Oder würde eben stattdessen GAR NICHT lesen? Na also.

Unser Fazit:
Bei uns wirkt es! Das eine Kind ist total stolz auf die vielen Punkte (es ging letztes Jahr in die Tausende), die es gesammelt hat. Und hat, bei allen kleineren Schummeleien, bestimmt 80% der Bücher auch tatsächlich als Bücher gelesen. Da geht mein pädagogisches Mutterherz auf, denn ich bin der festen Meinung dass wer liest, auch in Rechtschreibung und Grammatik besser wird, weil er/sie ein "Sprachgefühl" entwickelt. Wörter sehen dann einfach "falsch" aus, wenn sie falsch geschrieben werden. Meine unmaßgebliche und von pädagogischem oder didaktischem Fachwissen völlig ungetrübte Meinung

Und das andere Kind? Ich dachte, es liest nie! Oder zumindest nichts, was über besagte Comics hinausgeht. Weil Lesen anstrengend ist und lange dauert. Aber jetzt sprach die Lehrerin mal an, dass doch bitte eine bestimmte Zahl von Antolin-Punkten gemacht werden sollten. Also wurde beim Bücherei-Besuch auf den Antolin-Aufkleber geachtet. Und, ratzfatz, hat es das Buch an zwei Abenden im Bett weggezogen. Hach!

Sonntag, 2. Februar 2014

Aufstehen - scheinen - echt sein?

"Steh auf & scheine", so heißt offensichtlich ein Album von Michy Reincke. Ich habe keine Ahnung, was für Musik Michy Reincke so macht, aber dieses Plakat hängt momentan in der Stadt ziemlich oft.

Und dafür alleine würde ich schon fast Michy-Reincke-Fan werden. "Rise and shine", war natürlich meine erste Assoziation und ich wollt mich schon ärgern. Grad wenn man so ein bisschen winter-melancholisch ist und in einer amerikanischen Firma arbeitet, geht einem dieser oberflächliche US-Optimismus immer extrem schnell auf die Nerven.

Aber dann auf Deutsch. Da ist "scheinen" ja so schön mehrdeutig. Aufstehen und scheinen. Auch darüber denkt man vor allem noch zwei Mal nach, wenn man gerade auf dem Weg ins Büro ist. Welchen Schein möchte man denn heute gerne wahren?

Und dazu dieses Ufo auf dem Plakat, wie gesagt, Musikerfan, ohne die Musik oder den Musiker zu kenne. Ich hoffe, er ist kein A...loch.