Dienstag, 25. April 2017

Ikigai - das Leben im Gleichgewicht

Neu entdeckt (über Sprechblase): Das Konzept "Ikigai" (japanisch) für Freude am Leben, Lebenssinn, wofür es sich lohnt, morgens aufzustehen.

Hier ein deutsch beschriftetes Bild.



Quelle: http://dxnganodermakaffee.at/dxn/ikigai

Natürlich sehr idealisiert. Beim Blog Sprechblase sieht man noch mal, was angeblich an den Überschneidungen passiert, wo sich "nur" drei der Bereich treffen, aber nicht alle vier (auf Englisch). Bei der Schnittmenge zwischen Berif und Berufung also: "Gefühl der Leere" - weil ich es nicht unbedingt gern mache/liebe, was ich tue.

Fraglich ist natürlich, ob man diesen Idealzustand tatsächlich erreichen kann. Und ob man ihn erreichen "muss", um sich ausgefüllt zu fühlen. Vielleicht kann man es ja auch aufteilen und "Beruf" und "Mission" getrennt leben zum Beispiel.

Für mich auf jeden Fall gerade eine wertvolle Anregung.

Samstag, 22. April 2017

Was ist "Survivorship Bias"?

Das ist genau das, worüber ich neulich schrieb: Weshalb kaum Artikel erscheinen über all die erfolglosen Autoren, Musiker, Unternehmer. Und weshalb übersehen wird, wie groß das Risiko des "Scheiterns", oder zumindest des "keinen übermäßigen Erfolg"-Habens in Wirklichkeit ist.

Hier im Comic gut dargestellt: Würde man wirklich einem Lotto-Gewinner glauben, der sagt: "Du musst an Dich glauben. Du darfst einfach nie aufhören, Lose zu kaufen, und dann, eines Tages, gewinnst DU das große Los"? Hm, nee, von Wahrscheinlichkeitsrechnung haben die meisten dann doch schon mal gehört, da stimmt doch irgendwas nicht, kann man ja gar nicht beeinflussen, das Losglück.

Aber allen möglichen "Motivational Speakers", Ted(X)-Rednern und ähnlichen nehmen wir das ab? "Tu, was Du liebst, und Du wirst erfolgreich sein - denn mir ist es auch gelungen"?

Lieber noch mal nachdenken.

Freitag, 21. April 2017

Eine meiner Stärken

Neben der Superkraft, meine Bücherhallen-Kundennummer auswendig zu wissen (sehr wichtig, um problemlos online verlängern zu können) bin ich auch sehr gut darin, gute Bücher mir noch unbekannter Autoren aus dem Regal in der Bücherei zu fischen. Ein Grund, weshalb ich noch nicht (viel) elektronisch lese: Dort geht das nicht oder erheblich schwieriger als vor der physischen Bücherwand.

Mein letzter Fang:
"Capital" von John Lanchester ("Kapital" auf Deutsch). So toll geschrieben. So viele Hauptpersonen, ohne dass man durcheinander kommt! Kurz überlegt man: Wer war jetzt schon wieder dieser Parker und schon gibt der Autor einen dezenten Hinweis, und man ist wieder voll drin. Die volle Breitseite London wird hier gezeigt, mit den irrsinnigen Häuserpreisen und der Bankenkrise als Hintergrundgeschichte. Und es sind alle dabei: Schwarze, Weiße, Einwanderer, Ur-Engländer, Männer, Frauen. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Griff. Und Herr Lanchester hat noch mehr Bücher geschrieben (und viele kluge Dinge über die Wirtschaftswissenschaften und das Finanzwesen), da hab ich also noch mehr, um gezielt zuzugreifen und mich drauf zu freuen.

Ach so: Wer das mit den Büchern nicht so gut kann wie ich :-), für den haben die Bücherhallen den "Libromat" entwickelt, ein Online-Tool, dass Dir Vorschläge macht. Sagt gern Bescheid, ob das was taugt.

Donnerstag, 20. April 2017

Und passend zum Thema "was ist mit der Jugend"

Als hätten sie mich gehört, hat Edition F einen Artikel veröffentlicht, der meinen Punkt vom letzten Mal unterstreicht: Eine immer größere Mehrheit von Alten macht das Leben für Kinder und junge Menschen schwieriger und für uns alle unlebendiger, starrer, konservativer.

Das ist ein Grund, weshalb es so schwierig ist, ausreichend Ressourcen dahin zu stecken, wo es am meisten Früchte tragen würde - an den Anfang des Lebens.

Wie sagt es Wolfgang Gründinger in dem Interview so schön:
"Deutschland ist ein Land, das längst vergangene Stadtschlösser wieder aufbaut und gleichzeitig Jugendclubs schließt; das über Nacht zig-milliardenschwere Rentenpakete schnürt, aber zugleich Förderprogramme für Kitas auf Eis legt, weil angeblich die Kassen leer sind; das Umgehungsstraßen baut, aber beim Ausbau von Glasfaser-Internet auf der Stelle tritt; dessen Schüler Latein und Altgriechisch lernen müssen, nicht aber Programmieren und Informatik; kurzum: das in der Vergangenheit schwelgt statt von der Zukunft zu träumen."

Dienstag, 18. April 2017

Für immer jung - wollen wir das?

Schon wieder die ZEIT: wissenschaftliche Fortschritte beim "Kampf" gegen das Altern. Also wir sollen immer älter werden können und dabei möglichst nicht so krank werden. Angeblich gibt's da grad ein paar vielversprechende Entwicklungen.

Das mag ja sein. Und niemand - auch ich nicht - sagt vermutlich von sich: Ich freu mich aufs Sterben. Oder: Ich will dann mal abtreten.

Aber die Konsequenzen ("bedenke das Ende"): Wollen wir das wirklich? Ist die Gesellschaft nicht schon alt genug? Es werden ja nicht mehr Kinder geboren, schon jetzt kommen viele nicht mehr mit der Lebendigkeit, der Geschwindigkeit, und ja, auch der Lautstärke von Kindern und jungen Leuten zurecht. Wie soll das erst werden, wenn die Älteren noch viel mehr in der Mehrheit sind? Und will ich das dann wirklich, im kollektiven Altersheim Deutschland sitzen, meinen Cappuccino im Sonnenschein schlürfen und "ts ts ts" machen, wenn ein paar Kids auf Inlinern vorbeirollern und dabei lautstark rumalbern?

Montag, 17. April 2017

Ein Artikel über einen Beinahe-Erfolg

"Der Beinahe-Bill-Gates" - mit dieser Überschrift hatte die ZEIT von letzter Woche mich schon. Fast egal, was dann im Artikel stand (tatsächlich ungefähr das, was die Überschrift versprach: Ein Software-Ingenieur, der immer nah dran war, aber eben mal NICHT die Über-Firma gründete und die Milliarden machte).

Und wie schön und erholsam das ist. Der Normalzustand. Natürlich nicht so spannend, wie man das in einem Zeitungsartikel erwartet. Aber eben das, was den meisten passiert. Das Leben verläuft - hauptsächlich normal. Man scheitert. Oder man hat einfach keinen übermäßigen Erfolg.

Selbst bei Künstlern hört man selten davon, denn natürlich wird eher über Adele, Rihanna, Lady Gaga berichtet, eben über die, die es "geschafft" haben. Man muss schon Musiker persönlich kennen, um die viel häufigere Story zu hören. Mit der Band eine Platte gemacht, sogar getourt - und dann aufgehört. Weil der Durchbruch nicht kam, und man von dem Nicht-Durchbruch irgendwann nicht mehr so richtig leben konnte. Und hin und wieder muss man sich klarmachen: Das ist der Normalfall.

Was nicht heißt, dass man es nicht versuchen sollte, wenn man meint, es steckt in einem. Aber in Perspektive setzen, wenn es nicht klappt, ist sicher nicht das ungesündeste.

Freitag, 7. April 2017

Buch "In der mittleren Ebene" von Jakubzik

In der ZEIT (2017, Nr.14) gab es ein Interview mit dem Autor Frank Jakubzik, der ein Buch über "Das Leben im mittleren Management" geschrieben hat. Spannend - denn viele Autoren gibt es nicht, die aus eigener Erfahrung erhellend aus dem "echten" Arbeitsleben als Angestellte/r schreiben können.

Laut Jakubzeit hat jeder Angestellte Aussteigerfantasien, aber keiner verwirklicht sie. Top-Fähigkeiten sind "Aushalten und Durchhalten".

In Vereine geht ja keiner mehr, da gäbe es ja ein Zugehörigkeitsgefühl. Heute geht man ins Fitness-Studio, ganz unverbindlich, jeder für sich.

"Unser einziger Lebenssinn soll die Arbeit sein, aber leider taugt sie gar nicht zur Selbstverwirklichung."

Jakubziks Traum von einem Ausweg: Ein Brotjob. Kann man das? Sich einen Job suchen, den abreißen, zu Hause nicht mehr dran denken und seine Selbstverwirklichung (Freunde, Projekte, Träume) in der Freizeit leben? Ich kenne einen, der das so macht. Einen einzigen. Von sehr vielen.

Erinnerungen kommen auf: Wie toll ich am Anfang diese Geschäftsflüge fand. Wie wichtig man sich nimmt. Bis man nach einer Weile merkt: Ist auch nur so ähnlich wie Busfahren. Sogar um einiges anstrengender und zeitraubender, aber wenn man erst mal in der Kiste sitzt, fühlt es sich so ähnlich an wie morgens in der S-Bahn. Auf Hin- und Rückflug sieht man dieselben Hanseln, die morgens zum Kunden und abends zurück müssen. Wie man selber. Man Hansel

In den Firmen stehen teurere Möbel als bei einem selber zu Hause. Mit Kunden geht man in bessere Restaurants als mit der Familie. Wenn sich das jemals ändert, ist man verloren. Dann hat man sich in der Business-Welt verloren und kann leider nie wieder zurück.

"Eine Beobachtung war, dass Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen, die selbst noch Eigentümer sind, in einer ganz anderen Weise reden, mit viel mehr Überblick, mit viel mehr Spielraum, als ihn noch so hohe Hierarchen in einem Großkonzern haben." Genau das erlebe ich gerade. Eigentümer, die entscheiden. Manager, die nicht mal wirklich entscheiden können, wo sie im nächsten Quartal den Schwerpunkt ihrer Arbeit legen.

"Die mittlere Ebene geht vom Facility-Manager bis zum Vice-President. Darunter gibt es dann fast nur noch Ausgestoßene, mit denen überhaupt nicht mehr geredet wird, die nur noch auf Pfiff für Mindestlohn rangekarrt und wieder fallen gelassen werden. Und darüber gibt es irgendwelche Götter, über die ich Ihnen leider nichts sagen kann, da fehlt mir die Erfahrung. Vielleicht werden auf dieser Götterebene die Entscheidungen getroffen, keine Ahnung, in der mittleren Ebene tut’s ja niemand."

"Je mehr Detailfragen jemand stelle, desto sicherer könne man sein, dass er in der Sache nichts zu entscheiden habe."

Am Schluss sein Fazit, sein Traum, was er mit dem Buch erreichen will:
"Mein Ziel waren 30.000 Kündigungen in der Großindustrie."