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Freitag, 24. Juni 2016

6. Geburtstag

Die Kinder werden tatsächlich jedes Jahr anspruchsvoller und können sich länger konzentrieren. Während wir letztes Jahr noch gut mit drei Spielen im Garten und jeder Menge Freispielzeit (was hab ich mich früher darüber lustig gemacht, als ich erstmals im Kindergarten darüber stolperte. zum Glück lernt man ja dazu) dazwischen wunderbar durchkamen, hieß es dieses Mal mehr so: "Und was spielen wir als nächstes?", so dass mir schon Angst und bange wurde, weil meine Spieleliste gar nicht mehr so lang war.

Das Kind hat dabei noch Glück, schon zum zweiten Mal hab ich viel Zeit um seinen Geburtstag herum und stecke nicht im üblichen "ich muss arbeiten, alles muss schnell gehen und darf nicht so anstrengend sein" Modus. Letztes Mal gab es deshalb liebevolle Kuchen, alle aus dem Internet abgeguckt, Buskuchen und Rennautokuchen. Dieses Mal war alles einfacher, das Kind wünschte sich Muffins. Und einen Schokokuchen. Ok, das kann ich. Und bei den Spielen die Klassiker: Eierlaufen und Topfschlagen. Ok, können wir auch.

Ist aber natürlich noch ein bisschen wenig. Und dazu ziehen an meinem inneren Auge Vergleiche mit anderen, im Internet quasi miterlebten Geburtstagen vorbei. Immerhin eine selbstorganisierte Schnitzeljagd bei Alaskagirl. Oder ein Wilde-Kerle-Geburtstag, der für meine Fähigkeiten und Zeit- und Lustressourcen eindeutig zu aufwändig ist. Ich bin nicht so die Bastelmama. Und die Vorbereiten-Mama eigentlich auch nicht. Beides schlecht bei der Festplanung.

Aber, immerhin: Ich bin gewillt, mit den Kindern in den Nahkampf zu gehen. Natürlich geht es einfacher, wenn man ein bisschen Geld in die Hand nimmt und in den Indoorspielplatz geht. Oder auf den Kinderbauernhof, wo das Geburtstagsprogramm schon durchgeplant ist. Und das werden wir in Zukunft auch sicher mal wieder machen. Aber dieses Jahr, ich hier, stolze Eierlaufen-, BlindeKuh- und Kim-Spiele-Mama. Ist doch auch was!

Und klar, was soll auch schiefgehen. Geburtstag im Juni! Es gibt immer frische Erdbeeren! Und draußen. So viel kann selbst ich da nicht verbocken. Je länger ich darüber nachdenke: Ich hätte selber gern im Juni Geburtstag mit frischen Erdbeeren. Und jemandem, der das Fest für mich organisiert!

Mittwoch, 22. Juni 2016

Kinder lieben für das, was sie sind und nicht für das, was sie tun

Ich muss es schon wieder tun. Auf den Blog mit unaussprechlichen Namen verweisen. Gewünschtestes Wunschkind, Ihr wisst schon. Dabei krieg ich nicht mal Geld dafür. Aber ... nicht Erziehungstipps. Mehr so: Ein neues Erziehungskonzept.

Und das ist den Autorinnen natürlich auch nicht einfach zugeflogen. Sondern es gibt Material dazu. Liebe und Eigenständigkeit von Alfie Kohn

Gleich am Anfang:
Ziel unserer Erziehung kann sehr leicht werden: "den Widerstand unserer Kinder gegenüber unseren Wünschen zu durchbrechen und sie zu bewegen, das zu tun, was wir ihnen sagen. Wenn wir nicht aufpassen, kann das unser Hauptziel werden. Es kann passieren, dass wir uns all den Leuten um uns herum anschließen, die Fügsamkeit und kurzfristigen Gehorsam bei Kindern über alles schätzen."

Gleich auf Seite 9 stellt er da die schwierige Frage:
"Was sind Ihre langfristigen Ziele für Ihre Kinder? Welches Wort oder welcher Ausdruck kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie beschreiben möchten, wie Sie sich Ihre Kinder wünschen würden, wenn sie erwachsen sind?"

Aah, ist das alles schwierig. Aber notwendig. Denn was will ich wirklich für mein Kind. Wenn ich mal drüber nachdenke und nicht einfach aus Reflex und erlernter Erziehung handle. Im ersten Moment möchte ich tatsächlich, dass mein Kind auf mich hört und möglichst wenig auffällt. Vor allem, wenn wir bei meinen Eltern zu Besuch sind!

Aber eigentlich ist das nicht das Ziel, wie das Kind später sein soll: Duckmäuser und möglichst unsichtbar. So bin ich schon selber, davon brauchen wir nicht noch mehr in der Familie.

Im Urlaub vor zwei Jahren. Geführte Wattwanderung für Familien. Zwei Jungs. Bisschen frech und vorlaut, gleichzeitig aber absolut im Rahmen und liebenswert. Die Eltern (vor allem die Mutter) ganz entspannt. Als ob es das normalste der Welt wäre. Nicht wie ich. Ich, die von meinem Mann gesagt bekommen: "Sag nicht immer PSST zu den Kindern, die hört man schon so wenig."

So sollten meine Kinder sein. Ihre eigenen Interessen wahren. Fragen, wenn sie etwas interessiert. Quatsch machen. Denn hey, Kinder!

Wir arbeiten daran und ich kann jetzt schon sagen, es ist wirklich nicht leicht, wenn einem das nicht in die Wiege bzw. die ersten Lebensjahre gelegt wurde. Manche Sachen sind vielleicht auch Aufgaben für Generationen, hoffen wir also, dass meine Kinder irgendwann vorhaben, sich fortzupflanzen (noch nicht! Noch einige viele Jahre nicht, okay!).

Montag, 20. Juni 2016

Links, zu denen es etwas zu sagen gäbe

Aus Browser-Tabs, die man gar nicht mehr schließen möchte aus Sorge, ihren Inhalt nicht ausreichend gewürdigt zu haben.

Melinda Gates schreibt bei Medium.com: Wenn man davon ausgeht, dass es 10.000 Stunden intensives Üben braucht, um in einer Sache wirklich gut zu werden. Wenn man weiterhin weiß, dass Frauen aufs Leben hochgerechnet 40.000 Stunden mehr im Haushalt und für die Familie arbeiten als ihre Männer. Tja, dann könnten Frauen John, Paul, George UND Ringo werden, wenn die unbezahlte Mehrarbeit in Haushalt und Familie nicht wäre. Was bleibt zu tun? Tja, als allererstes wohl noch mal überdenken, was welches Kind im Haushalt tut und ob das irgendetwas mit ihrem Geschlecht zu tun hat. Denn ja, das eine Kind ist dann plötzlich nie greifbar. Und das andere macht viel eher, was man ihm sagt.


Dieses Interview mit Jan Philipp Reemtsma enthält so viele  wichtige Gedanken, warum gibt es das nicht öfter?
- Warum ist Gewalt so verführerisch? "Gewalt ist ein Machtangebot an den Menschen. Ein Angebot, das diese Gesellschaft nicht zur Verfügung hat, auch nicht haben soll. Wenn jemand kommt und Gewalt im Angebot hat, dann ist das die größte Macht, die man einem Menschen verleihen kann: seinen Mitmenschen töten und tottreten. Nicht jeder fährt darauf ab, aber genug tun es."

- erklärt dann auch diesen Punkt: "Das ist ja das interessante Phänomen: Wenn Sie irgendwo einen Putsch haben, und Sie richten dann kleine Konzentrationslager und Folterkeller ein, haben Sie nie ein Personalproblem. Nicht jeder möchte den Job machen. Aber es sind immer genug."

- Seine Erfahrung in der Gewalt von Entführern und was das mit dem "Ich" macht: "Die Vorstellung vom Ich kann nicht stabil bleiben, wenn die Wirklichkeit anzeigt, dass es darauf gar nicht ankommt."

Samstag, 18. Juni 2016

Die guten Aufräumtipps ...

... funktionieren hier irgendwie nicht. Von wegen: Immer mit einer Kleinigkeit anfangen. Bester Tipp: "Und wenn es nur eine Schublade ist". Genau, dann sitze ich mit meiner ordentlichen Schublade da, leider folgt dann keine zweite Schublade, sondern nach drei Wochen, wenn ich zum nächsten Mal wieder zum Aufräumen komme - also so zum Tiefenaufräumen, nicht zum oberflächlichen Dinge-Wegräumen, das muss natürlich öfter gemacht werden, wenn wir hier nicht untergehen wollen - also dann kann ich eigentlich wieder mit besagter Schublade anfangen.

Und so kommt man natürlich nicht weit! Treppenhaus, Eingangsbereich, Bad, das sehr nah an der Wohnungstür liegt - wie oft habe ich Euch schon aufgeräumt? Und wie oft bin ich hingegen bis ins Wohnzimmer vorgedrungen? Von den Kinderzimmern im hinteren Teil der Wohnung ganz zu schweigen!

Im Garten ist es ja genauso! Oberflächlich Rasenmähen, das ist immer mal drin. Aber schon das Unkraut wird meist nur ganz vorn entfernt, im Garten hinterm Haus komm ich höchstens mal im Herbst dazu, die Ahorn-Schößlinge, die uns bis dahin wortwörtlich über den Kopf wachsen aus den Büschen zu entfernen.

In meinen Träumen klappt das alles, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Obwohl ich dann alt und langsam bin. Vermutlich wäre am erfolgversprechendsten, die Kinder jetzt schon mehr mit einzubinden. In ihren Zimmern legen sie ja in leider noch sehr unregelmäßigen Abständen bisweilen große Energie an den Tag, den Fußboden freizuräumen. Ich brauche noch Motivationsstrategien, um das auf die Restwohnung auszuweiten!

Donnerstag, 16. Juni 2016

Werte weitergeben

Man gibt sich ja Mühe, seinen Kindern die Dinge mitzugeben, die einem wichtig sind. Und manchmal wundert man sich, wenn es offensichtlich nicht geklappt hat.

Hier neulich: Das Kind philosophiert darüber, ob man mir noch erlauben kann, zum Friseur zu gehen, wo ich doch gerade gar kein Geld mehr verdiene. Was für eine schöne Vorlage, um mal ganz in die Tiefe des Wertekanons zu springen: Was ist der Mensch wert? Und: Dieser Wert bemisst sich nicht am Geld, das eine/r verdient.

Ganz wichtig.

Außerdem: Gelassenheit. Für uns war es früher ungefähr einen Schritt vorm Weltuntergang, als es an der Arbeit meines Vaters mal nach Kurzarbeit oder sogar, Schreck, Entlassung aussah. Vermutlich hatten wir Kinder, als ungewollte Gefühlsverstärker, sogar noch größere Angst davor als meine Eltern selber. Und natürlich ist es schlimm, wenn es einen Alleinverdiener gibt, dem dieses Schicksal droht. Aber eben, siehe oben: Wir sind nicht das wert, was wir an Geld einnehmen. Wir sind viel mehr als unser Bankkonto.

Natürlich ist mir klar, dass sich das leichter sagt mit einem gewissen finanziellen Polster. Einem Partner, der weiterhin regelmäßig Geld in den Haushalt einbringt.

Große Bewunderung deshalb für Menschen, die diesen Wert auch mit geringeren finanziellen Mitteln selbstbewusst leben können.

Dienstag, 14. Juni 2016

Mehr Musik

Ich weiß, außer mir selber findet sicher niemand meinen persönlichen Musikgeschmack so interessant, aber trotzdem:

Immer mal wieder tut es doch gut, sich die Helden seiner Jugend noch mal anzuschauen - damals wie heute. Und was für ein Glück, dass es dafür YouTube gibt. Kürzlich spülte dieses Depeche-Mode-Video durch meine Timeline. Herrlich. Und ich mag auch den pickligen Housemartins-Sänger (Paul Heaton) bei Caravan of Love. Fällt einem wenigstens mal wieder ein, wie alt das alles schon ist.

Aber eine Perle ist mir bei der Suche doch untergekommen. Meine geliebte Band The Beautiful South. Und ebenjener Housemartins-Sänger, den Pickeln im vorigen Video ganz knapp entwachsen. Song: "You just can't smile it away" (von Bill Withers) in einer großartigen Coverversion - ja, da ich das Lied nicht kannte, hab ich andere gesucht und gehört, die waren einfach nur platt. Im Video quatschen sie erst, das Lied fängt bei 0:46 an.

Es gänsehäutet mich.

Sonntag, 12. Juni 2016

ICEs haben mein Leben verändert

Und zwar zum Besseren. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, mit einem konventionellen D-Zug nach Hildesheim zu fahren, um mal schnell zu schauen, ob die Stadt sich für ein Studium eignet. Ich meine: Mit 18, ohne Führerschein und ohne Ahnung (Mitfahrzentrale, was ist das?), da war man in seiner Mobilität eher beschränkt.

Aber mal eben mit dem ICE in einer Dreiviertelstunde rüberrutschen? Das schien machbar. Hin und zurück an einem Tag sogar. Musste man auch gar nicht groß mit Eltern drüber reden, einfach machen.

Inzwischen bringen ICEs die alte Heimat näher. Weil sie deutlich schneller sind als Autos. Kein Stau droht (jetzt kommt mir nicht mit Verspätung. Was ist schlimmer, auf unbestimmte Zeit im Stau sitzen oder 20 Minuten Verspätung im Zug?). Man kann sich entweder voll und ganz (so lange man das durchhält) dem Kind widmen oder, wenn man das Glück hat, allein unterwegs zu sein, Dinge tun, die einem Spaß machen. Lesen. Kaffee trinken. Schlafen. Mütterglück!!

Trotzdem bleibt die Fahrt ermüdend und wenn man versucht, hin und zurück an einem Tag zu schaffen, ist man abends ganz schön geschafft. Aber man gefährdet dabei weder sich selbst noch das Kind auf dem Rücksitz noch andere Mitfahrer, wie das bei sechs bis sieben Stunden Autofahrt der Fall wäre.

Von daher: Ja. Eine eindeutige Verbesserung. Viele Dank, deutsche Bahn.