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Freitag, 17. Oktober 2014

Die Geschichte mit den logischen oder natürlichen Konsequenzen

Es klingt so schön logisch: Wenn das Kind etwas macht, was es nicht soll, dann überlegt man sich die "natürliche" Konsequenz" dieses Verhaltens und lässt das Kind sie spüren. Will es sich nicht die warme Jacke anziehen: Im dünnen Pulli raus und frieren. Natürlich nimmt der gute Elternteil die warme Jacke mit und verkneift sich evt. ein anklagendes "Siehst Du".

Dann wird noch unterschieden zur logischen Konsequenz in den Fällen, in denen es von den Eltern unverantwortlich wäre, auf die natürliche Konsequenz zu warten.

Beispiel Zähneputzen: Man sollte als Eltern eher nicht auf die Löcher in den Zähnen warten, wenn das Kind die Zähne nicht putzen will. Wie man das dann umsetzt, ob mit Süßigkeitenverbot oder ähnlichem, wird dann schon weniger ausführlich beschrieben.

Oder bei Kindern, die das mit den Regeln noch nicht so drauf haben, also alle unter drei. Man hört selten von den Zahnputzdramen, die sich, da bin ich sicher, in so gut wie jeder Familie zu bestimmten Zeiten abgespielt haben. Denn was kann man tun? Das Kind macht partout den Mund nicht auf, damit die Eltern putzen. Putzt auch nicht kurz alibi-mäßig selber, was man ja hin und wieder durchgehen lassen könnte. Und da es sowieso gleich ins Bett geht, bleibt höchstens noch "dann gibt es keine Geschichte" als zeitlich halbwegs erinnerbare Konsequenz und mal ehrlich, wenn das Kind sich so richtig in seine Abwehr reingesteigert hat, ist das nicht unbedingt ein Punkt, wo es nachgibt.

Nein, eine Lösung hab ich nicht. Nur die Ermutigung, dass es sich alles wieder gibt. Im Moment sind Zahnputzdramen nur eine ferne Erinnerung, auch wenn die sich über Tage und vielleicht sogar Wochen (wer weiß das im Nachhinein schon noch so genau) hingezogen haben. Am Morgen schon planen, dass man es abends gemeinsam besser machen will, ohne Streit, hilft manchmal - aber auch dafür muss das Kind ein bestimmtes Alter haben, ich weiß. Oder wenn die Zahnärztin in den Kindergarten kommt oder die Erzieherin das noch mal bestätigt, wie wichtig es ist. Aber in dem Moment? NICHTS. Fatalistisches Ende und ab.

Sonntag, 21. September 2014

Prokrastrinieren - Anfänger oder Fortgeschrittene?

Nur damit Ihr wisst wie das läuft und Euch wiedererkennen könnt (und damit ich nicht mit der harten Arbeit anfangen muss):

Eine Aufgabe steht an, die am Computer erledigt werden muss. Eine wichtige Aufgabe, für die es dankenswerterweise sogar eine Deadline gibt (die nächste Woche liegt).

Was mache ich?
- lange schlafen. Auch wenn ich mir am Vortag noch vorgenommen hab, den Vormittag zu nutzen, um was geschafft zu kriegen
- Kaffee, um wach zu werden
- irgendwas im Haushalt, was auch schon lange fällig ist, aber keine Deadline hat und woran sich auch keiner (außer mir vielleicht) groß stört, wenn es nicht erledigt wird
- Facebook
- Blog-Leseliste
- E-Mails
- noch mehr Kaffee
- wo ich schon mal in der Küche bin: noch was im Haushalt
- Aufräumen. Oh, da liegen Zeitschriften und Zeitungen? Die müssen natürlich ausgelesen werden, bevor sie ins Altpapier wandern. Das fällt unter Aufräumen, oder?
- ups, zu viel Kaffee, jetzt zitter ich. Erst mal was essen.

Und wenn es ganz hart kommt
- ein bis drei Blog-Artikel schreiben.

So, jetzt wisst Ihr es. Wobei ich erstaunlicherweise so gut wie jede Deadline einhalte. Nur das, was man sich so vornimmt à la: "Ich mache es gleich und habe danach richtig, echt und unbeschwert frei und Zeit, das zu tun, was ich möchte". Das klappt irgendwie nie.

Freitag, 19. September 2014

Bügelbrett - Perspektive

Nur um den letzten Post in die richtige Perspektive zu setzen: Das ist ein Mal passiert. 1 MAL. Kein Grund zur Sorge also, wenn Ihr/Euer Kind nicht darum bettelt, die gesamte Wäsche bügeln zu dürfen.

Ich muss mir solche Dinge aber aufschreiben und in die Welt hineinbloggen, damit ich
- an kalten Abende etwas habe, um mein Herz daran zu erwärmen
- an schlechten Tagen, wenn kein Kind macht, was ich möchte und was es soll, mich daran erinnern kann, dass es hin und wieder auch anders geht
- weiß, dass man mit zehn respektive acht Jahren tatsächlich schon Bügel KANN. Während man mit acht vielleicht noch nicht so gut an die hohe Wäscheleine dran kommt.
- Damit die Aufgaben, wenn ich wieder mehr außer Haus arbeite, entsprechend aufgeteilt werden können.

In einer idealen Welt. Ihr wisst, was ich meine.

Freitag, 12. September 2014

Kostbares Bügelbrett

Unsere Strategie der Verknappung hat gewirkt. Jedenfalls kurzfristig. Bei uns wird ja nichts gebügelt, außer vielleicht Blusen und Hemden. Nach der letzten Wäsche kam erst das eine Kind: "Mama, darf ich meine Sachen bügeln?", dann das andere. Klar, meine Süßen.

Hat alles einwandfrei geklappt, keiner hat sich die Finger verbrannt (wie ich damals, vermutlich deshalb keine Bügelei hier, Traumabewältigung, von als ich mein erstes Puppenkleid bügeln wollte). Jetzt müssen wir das nur noch verstetigen und auf unsere Sachen ausweiten, dann würde ich sagen: Erziehungsziel voll und ganz erreicht! Man fühlt sich ein bisschen wie auf der Pirsch, nur nicht zu stark auftreten, um das scheue Wild nicht zu verschrecken.

Donnerstag, 11. September 2014

Die Schweizer Diskussion um arbeitende Mütter

Ich find grad einiges Material, das schon zwei Jahre alt ist, aber trotzdem: Wir sahen ja schon, dass in der Schweiz einiges anders läuft als in Deutschland, was Eltern und Beruf angeht. Elternzeit gibt es anscheinend nur für Mütter und nur 14 Wochen lang. Krippen scheinen je nach Kanton unterschiedlich bezuschusst zu werden und generell sehr viel teurer zu sein als in Deutschland. Keine so guten Voraussetzungen.

Dafür haben sie immerhin den Mamablog, der immer mal wieder in meiner Linkliste auftaucht. Und die ehemaligen Autorinnen dort, Michèle Binswanger und Nicole Althaus, haben 2012 ein Buch zum Thema geschrieben, in dem es weniger um die Kinder, als viel mehr um die Mütter geht, hier ein nettes Interview, aus dem man ganz gut raushören kann, worum es in dem Buch geht.

Einiges erkenne ich wieder aus eigenem Erleben. Zum Beispiel möglichst am Arbeitsplatz nicht merken lassen, dass man Kinder hat. Und wenn das jemand so sagt, zum Beispiel ein Chef, dann ist das als Kompliment gemeint. Fühlt sich dann sehr zwiespältig an. Und für alle die Männer, die gleich schreien: "Frauenbevorzugung führt zu Männerbenachteiligung": Auch hier finde ich die Perspektive angenehm ausgewogen, indem darauf hingewiesen wird, dass es für Männer auch durchaus nicht nur angenehm ist, die Last des Hauptverdieners zu tragen.


Sonntag, 7. September 2014

Das ist schon neu, oder? Spitzenpolitiker, die offiziell das Zwei-Verdiener-Modell leben

Klar hab ich mitgekriegt, dass Sigmar Gabriel irgendwann Vater geworden ist, Elternzeit genommen hat (in der er auch, aber weniger als sonst gearbeitet hat) und seine Tochter, die er unter der Woche sonst sicher nur selten sieht, immer Mittwoch nachmittags von der Kita abholen will.

Aber neu ist das trotzdem, insgesamt und auf Deutschland betrachtet, oder? Hab ich, zumindest auf der beruflichen Eben noch nicht gehört oder gelesen:
- Ein Mann, der sich dazu äußert, wie seine Kinder betreut werden (meist werden Väter das ja nicht mal gefragt in der Presse. Im Berufsleben mag sich das inzwischen an einigen Orten gewandelt haben)
- Ein Vater in hoher Position, dessen Frau weiter erwerbstätig ist und der sich auch, zumindest in Maßen, für die Betreuung zuständig fühlt

Und klar ist das zum Teil Taktik, PR und Fischen nach Wählerstimmen. Aber trotzdem ist er damit der erste und einer der wenigen, die damit DIESE Wählerschaft (Leute, die dieses Lebensmodell richtig finden, die auch mit Vereinbarkeit von Beruf und Familie kämpfen) ansprechen. Und neben ein bisschen Lob hat er auch einiges dafür einstecken müssen, siehe hier im Tagesspiegel - oder hier: eine Dienstaufsichtsbeschwerde, weil er angeblich wegen des fehlenden Mittwochnachmittags seine Dienstpflicht verletzt.

Also Männer, Väter, gern mehr davon, ich freu mich über jeden, der sich traut und sich gegen Chefs, Kollegen etc. durchsetzt, die dumm reden oder sogar echte berufliche Nachteile austeilen können.

Freitag, 5. September 2014

Verschlafen

Es heißt ja so schön kitschig, dass man, sobald man ein Kind hat, das Herz außerhalb vom Körper herumläuft. Wem das zu gruselig klingt: natürlich, weil das Kind das Herz ist in dieser Metapher.

Bei mir ist es nicht (nur) das Herz. Mein kleines schlechtes Gewissen läuft nämlich im Schlafanzug durch die Wohnung und stellt sich neben mein Bett!

Da verstellt man einmal aus Versehen seinen Wecker um eine Stunde. Natürlich so, dass ich nicht eine Stunde zu früh wach bin, sondern zu spät. Und dann kommt der kleine Geist, zum Glück noch rechtzeitig, damit es alle pünktlich in die Schule schaffen. Schon das zweite Mal passiert - NEIN, nicht hintereinander, so schlimm ist es noch nicht, das zweite Mal in der gesamten Schullaufbahn meiner Kinder, soweit ich mich gerade erinnern kann oder will.

Vielleicht ist es ja doch kein Geist. Sondern ein liebes Heinzelmännchen.